Rezensionen

Nicoles Bewertung 04 05 Sterne.png

Poppy Hathaway würde einen von Beatrix tierischen Lieblingen am liebsten in die ewigen Jagdgründe befördern, denn Dodger, das freche unternehmungslustige Frettchen hat sich ihren Liebesbrief von Michael, den Poppy liebt und heiraten möchte, geschnappt und rennt nun damit quer durch das Hotel. So bleibt ihr nichts anderes übrig, als dem kleinen Dieb zu folgen, doch dabei gerät sie in einen Geheimgang und wird dort von einem ihr bis dato unbekannten Mann gestellt, der sich äußerst amüsiert gibt, nachdem er erfährt, wieso sie und das Frettchen durch die Hotelgänge streifen. Seltsamerweise hört er ihr im Gegensatz zu anderen Männern sehr gerne zu- egal was Poppy auch zur Unterhaltung beizutragen hat.

Der Mann entpuppt sich schließlich als der Hotelbesitzer Harry Rutledge und für Harry ist es nach ihrem Gespräch sonnenklar, dass Poppy die ideale Braut für ihn wäre. Doch einen Haken hat die Sache, Poppy will einen anderen heiraten und da Harry äußerst zielstrebig und auf seine Art auch skrupellos ist, schmiedet er einen Plan um sich seines Nebenbuhlers elegant zu entledigen.

Bei einem Ball treffen Harry und Poppy sich wieder und dort setzt Harry sich zielstrebig in Szene, in dem er Poppys traurigen und verwirrten Gemütszustand ausnutzt und sie durch einen Kuss in der Öffentlichkeit kompromittiert. Er glaubt sich nun bereits am Ziel seiner Wünsche, doch er hat nicht mit Poppys Widerstand und dem ihrer Familie gerechnet. Zwar willigt Poppy ein seine Frau zu werden, doch sie macht ihm dennoch klar, dass sie ihn für seine Taten verachtet und höchstwahrscheinlich niemals lieben wird. Kann Harry damit leben?

Nach dem hochemotionalen Vorgängerband um Kev und Win, der mich restlos begeistert und sehr berührt hat, war ich schon sehr gespannt auf den Nachfolgeband, der nun Poppy Hathaways Geschichte erzählt. Poppy ist eine junge Frau, die eigentlich am liebsten ein völlig normales, unaufgeregtes Leben auf dem Lande führen würde und zwar mit einem liebenswerten Mann, Kindern und ihren Geschwistern. Doch da die Hathaways ein ziemlich verrückter Haufen sind, kommt stets etwas dazwischen. Und auch sie bleibt nicht davon verschont, als ausgerechnet der Hotelbesitzer Harry eigenmächtig entscheidet, dass Poppy die ideale Frau für ihn wäre und die Weichen ihres Lebens durch eine von ihm ausgehende Intrige völlig anders stellt.

Harrys Verhalten kann man nicht beschönigen. Zwar gibt er stets offen und ehrlich zu, dass er skrupellos ist und sich einfach nimmt, was er will, doch die üble Art und Weise mit der er Poppy mitspielt, fand ich ehrlich gesagt recht grenzwertig und somit hatte ich lange damit zu kämpfen ihn überhaupt in mein Leserherz schließen zu können.

Trotz seines Verhaltens macht die Autorin dem Leser aber auch schnell klar, dass Harry Poppy unbewusst schon sehr früh starke Gefühle entgegenbringt, die seine charakterlichen Schwächen etwas abmildern. Spätestens ab dem Zeitpunkt als man auch noch erfährt, warum Harry ein so abgebrühter Zeitgenosse geworden ist, beginnt man Verständnis für ihn zu entwickeln und einige seiner Taten sprechen dann auch durchaus für ihn. Allerdings ist er bislang der einzige Romanheld aus der Hathaway-Reihe der mir weniger zusagte, als die anderen.

Die weibliche Romanheldin, Poppy macht jedoch einiges wett- sie ist eine wunderbare Person, die man gerne als Freundin hätte, wenn sie real wäre und auch die zahlreichen Auftritte der Hathaways und nicht zu vergessen die schrulligen aber liebewerten Hotelangestellten von Harry runden diesen lesenwerten historischen Liebesroman positiv ab. Dennoch, im Vergleich zu den Vorgängerbänden fällt er für meinen Geschmack etwas ab- zwar ist es durchaus interessant zu lesen, wie Poppy Harry schließlich zähmt und auch auf emotionaler Ebene kann dieser 3. Teil der Reihe überzeugen, doch es fehlte mir hier der letzte kleine Kick zum Keeperstatus. Auch die kleine Kriminalhandlung am Ende des Romans fand ich überflüssig- weniger wäre hier mehr gewesen.
Dafür gibt die Autorin allerdings schon einen kleinen Ausblick auf den nächsten Band der Reihe, der dann Leo Hathaway und Catherine Marks Story behandeln wird. Interessant fand ich jedoch, dass eines von Catherines Geheimnissen, nämlich das ihrer Abstammung, bereits in diesem Teil aufgelöst wird.

Ankes Bewertung 04 Sterne.png

Die Autorin Lisa Kleypas hat mit den "Hathaways" eine wirklich tolle Familienserie erschaffen, die sich besonders dadurch auszeichnet, dass auch die Familienmitglieder deren Geschichte bereits erzählt wurde, weiterhin aktiv mitwirken. Für einen Serien-Freak, insbesondere einen Familien-Serien-Freak wie mich, ist das etwas ganz besonderes und bietet mir zusätzliche Lesefreuden.

Dabei kommen die jeweiligen Hauptcharaktere der Geschichte keinesfalls zu kurz. Es ist jedoch so, dass man den Hathaway-Charakter, in "Zärtlicher Nachtwind" ist es Poppy, durch sein intensives Mitspiel der vorangegangenen Bände, jedoch schon recht gut kennt. Das mag vielleicht auch der Grund sein, warum der, von außerhalb der Familie kommende Held, im Vordergrund der Geschichte steht.

Mir hat "Zärtlicher Nachtwind" vor allem wegen Poppys fröhlichen und unkomplizierten Plaudereien gefallen, weswegen ich auch immer dann, wenn der Held Harry Rutledge die Bühne betreten hat, alle Lust verlor weiter zu lesen. Seine kontrollierende und herrschsüchtige Art, die sich wie ein düsterer Teppich auf sein ganzes Umfeld gelegt hat, hat auch mir schwer zu schaffen gemacht.
Dabei ist Harry eigentlich kein gänzlich unsympathischer Charakter und er hat sogar einen Hintergrund der nachvollziehbar erklärt, warum er so ist wie er ist. Nichtsdestotrotz hat er mich jedes Mal runtergezogen; etwas was nicht unbedingt das Lesevergnügen fördert.

Harrys und Poppys Geschichte würde ich höchsten 3,5 Punkte verleihen; doch durch den Familienbonus, der ein wichtiger Teil des Buches ist und mir sehr gut gefallen hat, eingerechnet, wird eine gute 4 Punkte Bewertung daraus.

Kurz gefasst: Ein düsterer und dominierender Held, der in einem seltsamen Kontrast zur fröhlichen Leichtigkeit der Heldin steht, diese jedoch stets zu überdecken und niederzudrücken scheint und damit auch meine (fröhliche) Leselaune belastet hat.