Rezensionen

Kerstins Bewertung 04 05 Sterne.png

Liest man den Klappentext, hat man das Gefühl, dieses oder ein ähnliches Buch schon hundertmal gelesen zu haben. Doch die Umsetzung ist deutlich anders, die Liebesgeschichte steht eher im Hintergrund, die Autorin konzentriert sich vielmehr auf die Schwierigkeiten der jungen Burgherrin und das Alltagsleben auf einer schottischen Burg im 15. Jahrhundert.
Das Buch ist der erste Teil einer Trilogie, wobei es im zweiten Teil um die Nachfahren von Iain und Gunelle geht und im dritten um die Eltern von Iain. Diese Bücher sind aber leider noch nicht übersetzt. Somit ist „Die Herrin von Mallaig“ vom Chronologischen her eigentlich der zweite Teil der Trilogie.

Nun zurück zur Romanhandlung: Gunelle ist nicht wie so viele Liro-Heldinnen eine Frau des 21. Jahrhunderts, die zufällig im 15. Jahrhundert lebt, sondern ist durchaus ein Kind ihrer Zeit. Sie akzeptiert, dass sie sich ihrem Mann unterordnen muss, nimmt aber dennoch nicht seine anfangs schlechte Behandlung hin. Ihr Tatkraft fand ich sehr bewundernswert und auch ihre Entwicklung von einer behüteten (aber zum Glück nicht verwöhnten) Großstädterin zu einer wahren Highlanderin war sehr gut gezeichnet. Hier kam es der Geschichte sehr zugute, dass sie nicht auf die Liebe zwischen den Protagonisten, sondern auf Gunelle und ihr Leben fokussiert ist.
Den Helden fand ich zu Beginn mehr als gewöhnungsbedürftig. Natürlich ist es bekannt, dass im Mittelalter oft eher die Frauen als die Männer lesen und schreiben konnten, aber Iain empfand ich als sehr „hinterwäldlerisch“ und auch rüpelhaft. Dies erzeugte natürlich einen starken Kontrast zwischen den Figuren und isoliert die Heldin auf der fremden Burg noch mehr, aber ich konnte mir einfach nicht vorstellen, wie Gunelle und Iain je zusammen kommen können, ohne dass die Geschichte an Glaubwürdigkeit verliert.

Iain hat sich dann relativ schnell verändert. Woran das lag, ist mir nicht ganz klar geworden, aber ich habe es einfach akzeptiert und konnte dann die Geschichte wirklich genießen.

Dieses Buch ist sehr empfehlenswert, aber nur, wenn man nicht mit der Erwartung herangeht, einen Highlander-Roman à la Julie Garwood oder Kinley MacGregor zu lesen. Mit diesen Büchern hat dieses hier nämlich gar nichts gemeinsam.