Rezensionen

Wildfees Bewertung 04 05 Sterne.png

Bretagne, im 15. Jahrhundert:
Die 17-jährige Bauerstochter Ismae entkommt nur knapp einer arrangierten Ehe und wird im Kloster von St. Mortain untergebracht. Die Schwestern dort dienen dem Gott des Todes und sind häufig Töchter des Heiligen. Ismae ist immun gegen Gifte und im Kloster findet sie die Anerkennung und Aufgaben, die ihr bislang verwehrt wurden. Mit anderen Novizinnen wird sie in der vielfältigen Kunst des Tötens ausgebildet. Nach mehrjähriger Ausbildung steht sie nun kurz davor, ihrer endgültigen Gelübde abzulegen, die sie lebenslang an das Kloster binden würden. Doch vorher muss sie sich erst beweisen: Ein Auftrag führt sie an den Hof der bretonischen Herzogin, wo sie in eine Welt voller Intrigen hingestoßen wird. Wem kann sie trauen, wem nicht und muss sie wirklich jeden Befehl des Klosters ohne zu hinterfragen, ausführen?

Ich bin ein klein wenig morbide und daher ein Fan von Romanen mit Assasinen-Plot. Zu meiner Freude wurde ich von diesem Roman nicht enttäuscht und er hat meinen Geschmack voll getroffen.
Ismae ist eine sympathische Hauptfigur, gut beschrieben und auch absolut altersentsprechend handelnd. Ok, in Hinsicht auf die Ausbildung blitzt da teilweise schon etwas Lara Croft auf, aber das ist so gut in die Handlung und in den Flair hineingebaut, das es nicht weiter stört. Zum Töten gehört eben auch die Beherrschung von diversen Kampfkünsten und Waffen.

Der männliche Hauptprotagonist Duval bleibt meinem Geschmack nach teilweise etwas zu blass, allerdings liegt das schlichtweg am Erzählstil, der aus der Sicht Ismaes erfolgt. Die Ich-Perspektive ist nicht jedermanns Geschmack, ist aber wie ich finde, für diesen Roman recht passend. Duval ist nicht unsympathisch, so recht ins Herz geschlossen habe ich ihn jedoch nicht.

Richtig gelungen und für den leichten Fantasyaspekt verantwortlich, finde ich die Idee, alte Götter der Bretagne als Helige zu klassifizieren und sie die Welt der Sterblichen subtil beeinflussen zu lassen. Nonnen als Auftragsmörderinnen im Dienst des Todesgottes zu ersinnen, hat einfach was!
Erfrischend anders fand ich auch die Zeit und die Gegend, in denen die Geschehnisse stattfinden. Die Bretagne des 15. Jahrhunderts ist kein häufiger Schauplatz und deswegen umso interessanter. Der Renaissance Flair nimmt zum Glück aber nicht zu viel Raum ein, stattdessen liegt der Fokus eben auf den Handlungen und Gedanken Ismaes, die ihren Auftrag nach besten Wissen und Gewissen erledigen will.

Der Homepage der Autorin ist zu entnehmen, dass dieses der erste Band einer Trilogie ist, deren Protagonistinnen drei der Novizinnen des Klosters sind. Der nachfolgende Band befindet sich in Arbeit und wird über eine recht interessante Novizin handeln, die hier eher kurz, aber nicht minder interessant beschrieben wird.

Kurz gefasst: Tolles Jugendbuch, das den Assasinenplot richtig ansprechend und nicht zu brutal oder blutig bearbeitet.