Rezensionen

Ankes Hörbuch Bewertung 04 Sterne.png

Es ist schon eine Weile her, dass ich den letzten historischen Liebesroman gelesen oder gehört habe, da mich das Genre, ja eigentlich die ganze (Happy End) Belletristik, in der letzten Zeit wenig gereizt hat.

Und eigentlich wollte ich auch nur die neu installierte Audible App ausprobieren.

Aber das Hörbuch schlummert nun schon so lange ungehört in meiner Audible Bibliothek und ich habe mir vorgenommen 2017 in das Zeichen einer Wiederbelebung meines historischen Liebesomans-Lesehungers zu stellen und so bin ich dann doch irgendwie bei Laura Landons „Intimer Betrug“ hängen geblieben.

Soweit so gut. Allerdings erklärt das noch nicht so recht, warum ich dann das Hörbuch an einem Stück fertig gehört habe. Es muss mich also auf eine bestimmte Art angesprochen haben und die vordringlichste und spannensde Frage ist also nun, was es war.

Ich denke, es lag daran, dass mich „Intimer Betrug“ sehr an die „klassischen“ und „altmodischen“ Liebesromane zu Anfang meiner Lesekarriere erinnert hat, dabei jedoch den „angestaubten“ Charme der 70ziger und 80ziger Romane vermissen lässt, sondern durchaus „modern“ (ohne unzeitgemäß zu sein) und „frisch“ (ohne Übertreibungen) rüber kommt.

Einen solchen Drahtseilakt, zwischen „altmodischer Klasse“ und „modern zu lesenden“ Liebesroman beherrscht nicht jede Liebesromanautorin. Laura Landon geht damit aber ausgesprochen gekonnt um, finde ich und hat mich damit entsprechend beeindruckt.

Was mich jedoch nicht davor bewahrt hat beim Hören mitunter die Augen zu verdrehen, ob der wieder und wieder angeführten und sich stets im Kreis drehenden Gedankengänge der Protagonisten; die mir zwar verständlich sind – aus eigener Erfahrung mit der Arbeit an unerwünschten und sinnlosen Glaubenssätzen – für die ich jedoch nur wenig Interesse verspüre, sie auch bei den Protagonisten meiner Liebesromane zu erleben. Schließlich lese ich, um mich abzulenken und nicht um ähnliche Probleme mit den Charakteren zu wälzen. Deswegen bevorzuge ich auch „meine“ Figuren lieber etwas „straightforwards“ und „tough“, als ewig lamentierend und im Kreis denkend.

So wurden zwar die Beweggründe, Annahmen und Gefühlsirrungen der Figuren intensiv besprochen (was natürlich auch seine guten Seiten hat und positiv zu bewerten ist), ihre charakterliche Entwicklung dabei jedoch ein wenig vernachlässigt; weshalb mich dann auch, gegen Ende der Geschichte, deren (nach meinem Eindruck plötzlichen) Richtungswechsel und Sicherheit ihrer Gefühle, doch etwas irritiert hat und ich mich fragen musste, wo ich den nicht aufgepasst habe, um diesen Sprung zu verpassen.

Als Sprecherin des Hörbuches fungiert Ulrike Hübschmann, die mich, glaube ich mich zu erinnern, bereits mit Marina Fioratos „Die Glasbläserin von Murano“ begeistert hat und mich auch mit dieser Hörbuchproduktion zu überzeugen weiß. Sie verzichtet bei ihrer Interpretation wohltuend auf jegliche Stimmakrobatik und trägt die Geschichte, dort eindringlich und hier zurückhaltend, stets angebracht vor. Lediglich ein paar, zugegebenermaßen ausschließlich, höchst dramatische Stellen, fand ich ein wenig too much. Aber da sich zu diesen Gelegenheiten auch die Autorin mächtig ins Zeug legt, ist das absolut tolerierbar, finde ich.

Kurz gefasst: Von Zweifeln getriebene Figuren und eine Liebesgeschichte, mit einem nahezu klassischen Verlauf, verpackt in einen unterhaltsam zu hörenden und kurzweiligen Erzählstil. Meiner Meinung nach ein wirklich interessanter Tipp, für alle die Leser, die sich, mit den Liebesromanen der großen Ära des Genres besonders verbunden fühlen.