Rezensionen

Ankes Bewertung 02 Sterne.png

Eines vorneweg, für mich muss so ein Mafia-Romance nicht realistisch sein. Ich will Liebesromane lesen und bin gut damit, wenn sie Märchen-Charakter haben. Ein Liebesroman muss für mich also nicht unbedingt nach außen stimmig sein, sondern innen. Bei „The Bully“ war das für mich nicht der Fall. Hier hat für mich (fast) überhaupt nichts gestimmt, noch nicht mal die Geschichte selbst.

Anmerkung: ich habe die Serie im englischen Original gelesen, für ku (kindle unlimited) wird aber auch eine deutsche Übersetzung angeboten.

So macht es für mich auch überhaupt keinen Sinn eine Inhaltsangabe zusammenzustellen, da in diesem Buch nichts passiert – von etwas saftigeren Dom/Sub Sexszenen einmal abgesehen. Was die Hauptfigur Cat als therapeutischen Sex bezeichnet hat, hat mich in diesem Umfang so gelangweilt, dass ich das Buch eigentlich abgebrochen hätte, wäre ich nicht so interessiert am dritten Erzähler des Buches gewesen und den Geschehnissen in „Kingmakers“ im Allgemeinen. Doch ich musste bis zur 50 %-Marke des ebooks auf diesen Auftritt warten, nur um ihn dann als so nebensächlich zu erleben, dass es mich einfach nur enttäuscht hat.

Im 1. Teil, doch besonders im 2. Teil der Serie, hat die Autorin das Erzählen aus drei Perspektiven, in ihrem Zusammenspiel, so spannend und fesselnd zu lesen arrangiert, dass meine Erwartungen hierfür in diesen 3. Teils hoch waren. Doch außer, dass tatsächlich mehr Leute wissen, was Cat letztes Schuljahr getan hat, es aber nicht beweisen können, gab es hier keinen Zusammenhang, mit den Erzählperspektiven von Cat und Dean. Noch schlimmer sogar, wirkte diesen, zwischen all den Sexszenen, sogar wie mutwillig eingestreut und damit seltsam losgelöst von der Geschichte.

Das war das eine Problem, das andere waren die unsäglichen Hauptfiguren. „Kingmakers“ ist Sophie Larks Mafia-Version von „Hogwarts“ und Dean ihre Version von „Draco Malfoy“ – kein Problem damit. Allerdings verfügt Draco im Gegensatz zu Dean über Profil und Charakter und hat sich über die Teile der Serie hinweg entwickelt. Bei Dean habe ich das vergeblich gesucht.

Der bildet sich ein, der große böse Wolf zu sein, der über allen steht. Tatsächlich verhält er sich jedoch, wie ein verwöhntes und verzogenes Kind. Die einzige Szene, die in diesem Zusammenhang wirklich gestimmt hat, war, als sein Lehrer, Snow (seine Geschichte wird im 2. Teil der „Underworld“-Serie erzählt), ihn (freundlich, aber bestimmt) auf seinen Platz verweist. Hach ja, Snow ist nun mal eine grandiose Figur aus Sophie Larks Universum.

Grundsätzlich hat es mir gefallen, dass die Autorin Dean eine Leitfigur und Vaterersatz zur Seite stellt und wie sie die beiden miteinander agieren lässt. Das war gut und wichtig. Cat hatte diese Ehre nicht. Noch nicht einmal ihre bisher so protektive handelte Schwester, noch die ihr zugeneigten Mitschüler haben angemessen reagiert. Sie wurde von Dean „angeleitet“ ohne Netz und doppelten Boden; noch nicht einmal ein Safeword hat die Autorin ihr angeboten!? Wo war sie hin, die bis dato ungeküsst, naive-unschuldige, junge Jungfrau, die sich gerade erst als eigenständige Persönlichkeit zu entwickeln beginnt und in ein paar Jahren hätte Großartiges leisten können? Von Dean auf die Knie gezwungen und ihn ihrer Entwicklung, von seiner Dominanz erstickt. Traurig und nichts, was ich (in Liebesromanen) lesen will.

Auch der „enemies to lovers“-Trope, „ich hasse ihn, habe Angst vor ihm“, „ich trage gerade noch seine Bücher durch die Schule, weil er mich dazu erpresse“, über eine „all in BDSM-Entjungferung“ bis zum „ich liebe ihn, brauche ihn, er kann alle mit mir machen“ war für mich überhaupt nicht in Zusammenhang zu bringen. Ich habe nichts gegen eine erste reine körperliche Anziehung in einem Liebesroman und keinen Einwand dagegen ein sich auszuprobieren (wenn der Kontext stimmt und mir das Gefühl vermittelt wird, dass die Charaktere dafür bereit sind), darüber hinaus braucht es für mich dann jedoch auch eine Entwicklung der Liebesgeschichte auf der Gefühlsebene. Diese hat mir in „The Bully“ gänzlich gefehlt.

Nach meinen Ausführungen dürfte es kein Wunder sein, dass ich dann auch Deans und Cats „Konflikt“ als unangebracht empfand. Dabei war weder Deans noch Cats Anteil rühmlich. Und dem dann noch, ein „jetzt musst du mir mal meine Schulbücher hinterhertragen, um Buße zu tun“ nachzufügen, dann mich dann wirklich nur noch die Augen rollen lassen.

Kurzgefasst: außer Sex nichts gewesen. Doch vielleicht kommen hier YA-Leser, die BDSM-Szenen mit jungen unerfahrenen Protagonisten mögen, auf ihre Kosten? Ansonsten kommt mir dieser 3. Teil, wie ein eher unnötiges Zwischenspiel in der Serie vor.