Rezensionen

Kas Bewertung 04 05 Sterne.png

Lady Belinda Featherstone ist wohl das, was man als eine perfekte englische Lady bezeichnet. Sie hat es sich zur Aufgabe gemacht, junge amerikanische Erbinnen an den "Mann" zu bringen. Sprich, sie fungiert als Heiratsvermittlerin. Nicht ohne Grund: War doch ihre Ehe, die sie als 17-jährige, reiche junge Frau mit ihrem verstorbenen Ehemann einging, ein Desaster! Charles Featherstone war alles andere als treu, nur auf sein Ego bezogen und äußerst großzügig beim Verschwenden von Belindas Erbe! Dies alles, möchte sie den jungen amerikanischen Damen ersparen, denn nichts hasst sie mehr, als Lebemänner und Mitgiftjäger!

Nicholas, Marquess of Trubridge, ein Lebemann und weiß Gott kein Kostverächter, kann nicht anders! Er muss eine reiche Erbin heiraten, denn sein Vater hat ihm den Geldhahn abgedreht! Natürlich sollte die Erbin nicht nur reich, sondern auch attraktiv und jung sein, sonst könnte er ja gleich die Dame ehelichen, die sich sein despotischer, unsympathischer Vater für Nicholas auserkoren hat! Als er sich dessen gewahr wird, dass Lady Belinda Featherstone sehr erfolgreich Ehen arrangiert, macht er sich auf zu ihr, um ihre Dienste zu erbitten, mit katastrophalen Folgen, für den Marquess! Denn Belinda ist listenreich ...

Mit allem hätte Lady Belinda gerechnet, als sie mit einem ihrer weiblichen Schützlinge zum Nachmittagstee zusammen saß, aber sicher nicht mit dem Auftauchen des Marquess of Trubridge! Einem Mann, vor dem sie ihren Schützling unbedingt beschützen muss. Zu anziehend, zu charmant, zu attraktiv ist dieser Teufel in Männergestalt! Nachdem er sie schlicht weigert, das Haus zu verlassen, bleibt Lady Featherstone nichts anderes übrig, als ihn anzuhören. Doch als Nicholas, ehrlich wie er ist, alle Karten offen auf den Tisch legt, steigert sich in Belindas Innerem dermaßen der Zorn auf diesen Mitgiftjäger, so dass sie Nicholas den Fehdehandschuh hinwirft. Mann, der er nunmal ist, nimmt er ihn auf. Was dann passiert, ist ein Schlagabtausch der besonderen Güte ...

"Ein Marquess und kein Gentleman?" von Laura Lee Guhrke ist ein Historical, den ich einmal angefangen, nicht mehr aus der Hand legen konnte! Meine Augenringe zeugen von einer schlaflosen Nacht ;) Auch wenn mir der Anfang etwas gewöhnungsbedürftig erschien, wirkten doch die beiden Hauptprotagonisten etwas, nun ja, hölzern, hat sich das im Fortlauf der Geschichte gehörig geändert! Langsam wird man beim Lesen dahingegen eingeweiht, was sich in der Vergangenheit von Lady Featherstone und des Marquess of Trubridge alles ereignet hat. Vor allem der Marquess hat mit seinem Vater eine schrecklich lieblose, vorbestimmte Kindheit erlebt, in dem es immer nur einen Wunsch zu befolgen galt: dem des Vaters! So nimmt man den beiden stets ab, was sie tun, wie sie zueinander sind, schlicht und ergreifend, warum sie sind wie sie sind.

Sehr schön war die Wandlung zu verfolgen, die sich bei Belinda und Nicholas allmählich vollzog. Wie aus dieser distanzierten, unterkühlten Dame eine lebensbejahende Frau wird. Wie ein Mann, der nur von einem Tag zum anderen Tag gelebt hat lernt, dass es mehr im Leben gibt, als Wein, Weib und Gesang. Von der Anziehungskraft, die zwischen den beiden herrscht, ganz zu schweigen. Mit Wortwitz und voller Ideen, versucht sich Belinda gegen das zu wehren, was dem Leser klar ist: Das sie und Nicholas ein herrliches Paar abgeben und sie zusammen gehören. Belinda wirkt auf Nicholas wie ein reinigender Regen, während Nicholas Belindas "Ehevermittlungsversuche" durchaus ins rechte Licht zu rücken mag und sie dadurch zum Überlegen anregt. "Ein Marquess und kein Gentleman?" war für mich persönlich ein lesenswerter Historical aus der Feder von Laura Lee Guhrke, der trotz humorvoller Passagen, auch mit tiefen Momenten besticht. Gerne würde ich nach diesem ersten Teil der "American Heiress In London"-Reihe, auch die anderen Bücher lesen. 4,5 Punkte.

Kurz gefasst: "Ein Marquess und kein Gentleman?" von Laura Lee Guhrke, besticht sowohl mit wortwitzigen als tiefgründigen Momenten.

Nicoles Bewertung 05 Sterne.png

Lady Belinda ist eine verwitwete Amerikanerin, die durch Heirat, einst ihren Reichtum gegen einen Adelstitel tauschte. Doch endete ihre Eheschließung mit dem Mann, von dem sie glaubte, dass dieser sie ebenfalls lieben würde, in einem Fiasko. Denn Belinda war für ihn nur Mittel zum Zweck seine Schulden loszuwerden und um finanzielle Möglichkeiten an der Hand zu haben, um weiterhin seinen Lastern frönen zu können. Er brachte Belinda keinerlei Gefühle entgegen und so wäre ihr ein langes Leben ohne Freude oder Kinder beschert gewesen, wenn ihr Gatte, sein Leben nicht frühzeitig ausgehaucht hätte.
Nun, mittlerweile aller Illusionen beraubt, verdingt sie sich als Ehevermittlerin zwischen jungen und reichen amerikanischen Erbinnen und englischen Aristokraten, um den Mädchen eine Enttäuschung zu ersparen, wie sie einst Belinda erlebte.

Belindas Gewissenhaftigkeit hat sich im ton bereits herumgesprochen und so wird sie eines Tages ausgerechnet von einem Freund ihres verstorbenen Mannes aufgesucht, der auf der Suche nach einer guten Partie ist. Nicholas Truebridge verkörpert in Belindas Augen jedoch so sehr den Typ Mann, den sie verachtet, dass sie Nicholas sogleich den Fehdehandschuh hinwirft. Keinesfalls soll er eine der jungen Frauen ehelichen, die Belinda unter ihrer Fittiche hat, da Nicholas bereits zugegeben hat, dass er lediglich heiraten will, um an Vermögen zu kommen. Sein Vater hat ihm bis auf weiteres sämtliche finanzielle Unterstützung entzogen, bis Nicholas heiratet. Allerdings keine Frau nach seiner Wahl, sondern eine junge Dame, die sein Vater für ihn auserkoren hat. Nicholas sieht es jedoch nicht ein, nach der Pfeife seines Vaters zu tanzen und hoffte daher, durch Belinda eine passende reiche Erbin zu finden.

Ein wenig erbost aber auch amüsiert reagiert er auf Belindas Kriegserklärung. Doch als seine finanzielle Misere öffentlich in der Zeitung breitgetreten wird, verlässt ihn sein Humor, denn nun scheint es schwerer als je zuvor, noch eine gute Partie zu machen.
Er stellt Belinda zur Rede und diese kommt, ob seiner flammenden Verteidigungsrede zum ersten Mal ins Grübeln, ob Nicholas wirklich so gestrickt ist, wie ihr verstorbener Mann. Zudem kann sie sich seiner Attraktivität nicht verschließen…

Ich habe mich sehr gefreut, als ich erfuhr, dass der CORA Verlag einen weiteren Roman der Autorin Laura Lee Guhrke in deutscher Übersetzung herausbringen würde und war dementsprechend schon ganz gespannt auf „Ein Marquess und kein Gentleman?“. Ich liebe die Historical Romances der Autorin besonders, weil sie nicht nur interessante Liebesgeschichten mit Tiefgang zu erzählen weiß, sondern zudem auch mit einer regencytypischen und gehobenen Ausdrucksweise aufwarten kann, die für das richtige historische Flair sorgt. Nachdem ich mich in den vergangenen Jahren, immer öfter durch einige sehr modern geschriebene Historicals von Debütautorinnen verfasst, durchkämpfen musste, war es für mich eine regelrechte Wohltat, nun endlich wieder einen Roman lesen zu dürfen, der in seinen positiven Eigenschaften alles ausmacht, was historische Liebesromane für mich so besonders macht. Laura Lee Guhrke gelingt es dabei, fast spielerisch leicht und beschwingt wirkend, ein Paar zusammenzubringen, das auf den ersten Blick so gar nicht zusammenpasst.

Ein wenig sorgt die Ausgangssituation zwischen Belinda und Nicholas dafür, dass dem Leser Assoziationen zu Jane Austens Roman „Stolz und Vorurteil“ kommen, denn wie auch die Heldin aus Austens Roman, wartet Belinda ebenfalls mit reichlich Vorurteilen bezüglich Nicholas angeblichem Wesen auf. Und auch Nicholas, der auf den ersten Blick wie ein typischer Dandy wirkt, ist in Wirklichkeit so ganz anders, was Belinda und der Leser im Zuge der Geschichte Stück für Stück herausfinden.
Obwohl sich Belinda und Nicholas anfangs nicht gerade grün sind, stimmt die Chemie zwischen ihnen von Beginn an und auch ihre zahlreichen Wortgefechte sind amüsant und spitzfindig, so dass ich diese mit einem breiten Grinsen im Gesicht gelesen habe.
Aber auch die Romantik kommt nicht zu kurz. Laura Lee Guhrke versäumt es nicht, die sich langsam anbahnende Liebesgeschichte durch einige sehr prickelnd geratene, geschmackvolle Liebesszenen zu untermalen.
Auch das Heldenpaar schließt man schnell ins Herz und so steht dem Lesevergnügen hier nichts im Weg. Selbst die Übersetzung möchte ich als gelungen bezeichnen, so dass es hier von meiner Seite aus nichts zu meckern gibt.

Kurz gefasst: Wunderschöne Historical Romance, die eine beschwingte Leichtigkeit verströmt, aber dennoch ausreichend Tiefgang und eine regencytpische Ausdrucksweise zu bieten hat. Mein Lesetipp!