Rezensionen

Nicoles Bewertung 04 05 Sterne.png

Leonore von Calven fällt aus allen Wolken, als ihr die Äbtissin des Klosters in dem sie sich bereits seit frühester Kindheit aufhält, mitteilt, dass sie nicht den Schleier nehmen darf, sondern zu ihrem Vater zurückkehren soll. Ihr Vater, an den sie sich nicht mehr erinnern kann, entpuppt sich als harter, kalter Mann, der sie sehr bald mit einem Mann seiner Wahl vermählt. Mit dem Händler Falk hat Leonore ebenfalls nicht viel Glück. Die ein wenig weltfremde, schüchterne junge Frau wird von ihm unterdrückt, der einzige Lichtblick in ihrem Leben, ist ihre kleine Tochter Blanche.

Eines Tages bekommt Falk Besuch von zwei Sarazenen und wird kurz darauf zusammen mit Tochter Blanche von ihnen entführt. Leonore ist verzweifelt- keiner will ihr helfen, selbst ihr Vater zeigt kein Interesse daran, wenigstens seine Enkeltochter zu suchen. Einzig ein Priester gibt ihr den entscheidenden Hinweis, er vermittelt sie an den erfahrenen Tempelritter Gottfried Kahle, den sie um Hilfe bittet. Einen Tag später reist Leonore zusammen mit ihm und Adelheid, einer Pilgerin gen Jerusalem, denn dort hofft sie, ihre Familie wieder in die Arme schließen zu können.

Trotzdem kann es auch Gottfried nicht verhindern, dass Leonore bei einem starken Sturm kurz vor dem Ziel über Bord des Schiffes geht. Sie überlebt zwar, dennoch findet sie sich plötzlich allein und verlassen mitten in der Wüste wieder und kommt beinahe um vor Durst. Der Karawanenführer Nadim, der sie glücklicherweise noch rechtzeitig auffindet, rettet ihr das Leben und will sie weiter durch die Wüste zum Ziel geleiten. Doch dann wird die Karawane angegriffen...
Wird Leonore ihre Tochter jemals wieder in die Arme schließen können?

Der Debütroman von Christiane Lind ist ein ansprechender historischer Roman, der von einer zunächst sehr zurückhaltenden und ein wenig weltfremden jungen Frau erzählt, die im Laufe des Buches über sich hinauswachsen muss, um ihre Familie wiederfinden zu können. Mehr und mehr gewinnt Leonore an Stärke und Mut, was sie zu einer interessanten Romanfigur macht.

Der Schreibstil der Autorin ist eingängig und harmonisch, überzeugt durch eine klare Linie ohne langatmige Ausschweifungen und die abenteuerlichen Erfahrungen die Leonore auf ihrer Reise macht, haben mich diesen Roman praktisch in einem Durchgang, ohne Pause durchlesen lassen, weil ich unbedingt wissen wollte, wie die Story ausgeht. Wobei ich mir gut vorstellen könnte, dass Leonores Geschichte eventuell noch nicht ganz erzählt ist.

Die Autorin lässt immer wieder informative historische Details über Land, Leute und Religion mit einfließen und setzt auch ihre Hauptfigur einigen religiösen Konflikten aus, die sehr sensibel, mit Herz und Verstand, gelöst wurden. Jede Romanfigur in diesem Buch hat ein (oder mehrere) wichtiges Geheimnis, was mich so wissbegierig machte, dass ich das Buch nicht einmal zur Seite legen wollte.

Einen minimalen Kritikpunkt habe ich jedoch. Im Gegensatz zu der Hauptfigur bleiben die Nebenfiguren, auch Nadim ein wenig blass, da man noch zu wenig von ihren innersten Gedanken und Beweggründen erfährt. Das wird sich aber bestimmt bei einer Fortsetzung, falls es sie gibt, was ich sehr hoffe, noch ändern.