Rezensionen

Wildfees Bewertung 04 Sterne.png

Wer die Dirk & Steele Serie von Liu mag und kennt, wird sich bei dieser neuen Reihe umgewöhnen müssen.
Weniger Erotik, keine Gestaltwandler, Vampire oder andere mythische Wesen, sondern Dämonen und jede Menge Metaphern bestimmen den Inhalt.

Marjorie M. Liu hat hier einen einzigartigen Stil zu Papier gebracht, der anspruchsvoll zu lesen ist. Sie malt mit Worten, bildgewaltig, manchmal verwirrend und verstörend und dann wieder voller Poesie und intensiv.
Sie lässt den Leser und die Heldin in der Hauptstory lange im Unklaren, serviert die nötigen Infos eher häppchenweise und baut dadurch eine klare Spannungslinie auf. Das ist jedoch für den eher ungeduldigen Leser beinahe nervtötend, vor allem da man direkt in das Geschehen hineingeworfen wird und sich das volle Verständnis der Handlung und der Charaktere erst im Verlauf des Romanes erschließt.

Stilistisch ist die vorangestellte Kurzgeschichte, die die Ereignisse vor dem Hauptroman schildert, kompakter, weniger metaphorisch und daher leichter und flüssiger zu lesen.

Ein klein wenig hatte ich Probleme mit der Heldin. Sie ist auf den ersten Blick die typische toughe und erfolgreiche Alleinkämpferin, offenbart aber immer wieder Schwächen, die sie sich nur schwer eingesteht. Erfrischend ist dagegen, dass ihr gleich zu Anfang in der Kurzgeschichte Grant zur Seite gestellt wird, der ihr Anker und Halt ist und sie auf ihrem weiteren Weg begleitet. Er ist ein ebenbürtiger Partner, stark auf seine Weise, aber auch ihre Achillesferse. Viel Romantik oder Erotik ist nicht vorhanden, das Zusammenfinden der beiden wird eher nebensächlich abgehandelt. Negativ empfinde ich das nicht, da der Fokus der Story eben auf dem Kampf gegen die Dämonen liegt.

Auf jeden Fall muss man sich auf den Roman einlassen und langsam und bedächtig lesen. Im Gegensatz zu vielen anderen Büchern im Romantasy/Urban Fantasy Bereich ist der Stil von Liu hier eben nicht locker leicht und beschwingt, sondern fordert heraus.