Rezensionen

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Ich bin sehr begeistert darüber, dass ich mittlerweile fast so komfortabel Liebesromane im englischen Original lese, wie in einer deutschen Übersetzung. Nur mit dem Hören von englischsprachigen Hörbüchern, da hapert es noch deutlich. Auf der Suche nach Übungsmaterial bin ich auf die Hörbuchempfehlung von Casey McQuistons New Adult „hat to love“-Romance „Red, White & Royal Blue“ gestoßen. Dabei wurde nicht nur der Inhalt als positiv, herzerwärmend und kraftvoll angepriesen, sondern auch der Vortrag des Sprechers des Originalhörbuches, Ramon de Ocampo, hervorgehoben. Eine fluffig erzählte, zeitgenössische Liebesgeschichte, wenn auch aus dem New Adult Bereich, den ich seit Jahren eher vernachlässige, als suche, erschien mir als perfektes Übungsprojekt.

Wie ich später entdeckt habe, ist das Buch bereits unter dem Titel „Royal Blue“ im Knaur Verlag veröffentlicht und als deutschsprachiges Hörbuch mit dem Sprecher Oliver Erwin Schönfeld als Hörbuch vertont worden. Doch mir ging es gerade darum, im Original zu hören.

Der Inhalt der Geschichte dreht sich um ein … was wäre, wenn sich der Sohn der amerikanischen Präsidentin in einen Prinzen des englischen Königshauses verliebt? Sie begleitet den US-Amerikaner, mit mexikanischen Wurzeln, Alex Claremont-Diaz und den Angehörigen des englischen Königshauses, Prinz Henry, bei ihrem Coming-out; wobei der Fokus auf Alex und den politischen Ereignissen um die First Family liegt und die Kandidatur von Alex Mutter, für eine zweite Amtszeit. Erst zum Ende der Geschichte gibt es dann auch einen Einblick über die Reaktionen aus dem Kensington Palace.

Zunächst ein paar Worte zu meinem Hörerlebnis. Ich stimme zu, dass Ramon de Ocampo ein sehr guter Hörbuch-Sprecher ist. Egal ob britischer Akzent oder Texas-drawl nichts war so ausgeprägt, dass ich dem nicht hätte folgen können. Ich war angenehm überrascht, wie gut ich mit der Geschichte zurechtkam. Zumindest mit dem Anteil, der sich um die Liebesgeschichte von Alex und Henry dreht und der von alltäglichen Situationen erzählt. Sobald sich die Thematik jedoch US-politischen Themen zugewandt hat, war ich dann raus. Ich schätze mich nicht als gänzlich unwissend ein, ich bin aber auch nicht besonders geschult darin. Doch dem ganzen als englischsprachiges Hörbuch zu folgen, hat mich dann doch gefordert. Zum Teil lag das aber auch daran, dass mich, in diesem Zusammenhang, schon allein die Zuordnung der handelnden Protagonisten ausreichend beschäftigt haben. Dann auch noch einem fremden politischen System zu folgen, Fremdwörter, fremde Begriffe einzuordnen war dann doch eben nicht einfach.

So hat mich diese sehr idealistische Geschichte, die kleinen Widersprüche in den Charakteren, die Patzer, die durch eine sehr, sehr kurze Recherche hätten aufgeklärt werden können und die schwarz-weiße Einstellung der Autorin und ihre „schablonenhafte politische Weltsicht“, wie es eine andere Rezension so auf den Punkt gebracht ausdrückt, nur bis zu einem gewissen Grad gut unterhalten. Und ja, es hat mir Spaß gemacht, dabei ebenfalls über ein „was wäre, wenn“ zu spekulieren und mögliche Reaktionen von Gesellschaft, Social Media und Politik zu hinterfragen.

Beim Hören habe ich mich aber vor allem in die Liebesgeschichte fallen lassen. Sie ist genau das, als was sie mir angepriesen wurde „positiv, herzerwärmend und kraftvoll“, ein wohltuendes Antidepressivum, wie es in diversen Rezensionen bezeichnet wurde. Und das ist auch genau, was dieses Hörerlebnis für mich ausgemacht hat.

Kurzgefasst: in seinem politischen Kontext vielleicht etwas schwer zu befolgen, doch solange es gelingt, diesen Roman, als das was er ist zu sehen, nämlich Fiktion, steht einem leicht-lockern, amüsanten, sexy-erotischen und höchst romantischen Hör- (oder Lese)Erlebnis nichts im Wege; sogar für Anfänger des Hörbuch Hörens im englischen Original.