Rezensionen

Kathis Bewertung 05 Sterne.png

Eragon hat seine erste große Schlacht überstanden. Es war allerdings nicht irgendeine Schlacht, denn er kämpfte gegen Durza, einen der mächtigsten Schatten ganz Alagaësias. Zwar war er siegreich, doch wurde er auch verwundet. Diese Wunde wird ihn noch lange Zeit einschränken. Dann wird Ajihad, das Oberhaupt der Varden, ermordet und seine Anhänger brauchen einen neuen Anführer … oder eine Anführerin? In diesem Zusammenhang verliert Eragon nicht nur einen Verbündeten durch den Vardenführer, sondern auch einen Freund: Murtagh. Er wird parallel zum Attentat auf Ajihad von den Urgals verschleppt. Den Grund dafür erfährt Eragon erst viel später.

In diesem zweiten Teil der Saga treten besonders die Elfen in den Vordergrund. Viel müssen Eragon und Saphira von ihnen lernen, doch die meisten ihrer Geheimnisse bleiben noch im Verborgenen. Drache und Reiter müssen sich mit Zwergen auseinandersetzen und auch die Urgals spielen wieder eine wichtige Rolle. Unerwartet treten weitere Drachen in Eragons und Saphiras Leben, auf die sie so gar nicht vorbereitet waren.

Auch die Magie ist wieder elementarer Bestandteil. Durch Elva offenbart sich die böse Entwicklung einer gut gemeinten magischen Handlung Eragons. Mehr werde ich nicht verraten, da ich sonst die ganze Spannung zerstören würde. ;)

Wie schon der erste Teil der „Eragon-Saga“ konnte mich auch „Der Auftrag des Ältesten“ begeistern. Paolini wählte hier eine andere Form der Erzählung: Er baute Perspektivwechsel ein, die immer genau an den Stellen kamen, an denen es besonders spannend wurde. Plötzlich war ich nicht mehr mit Eragon und Saphira unterwegs, sondern bei Roran und den Dorfbewohnern aus Carvahall. Manchmal fand ich mich auch bei Nasuada, Ajihads Tochter, wieder. Wie oft dachte ich am Anfang eines neuen Kapitels: „Nein, ich will erst wissen, wie es hier weiter geht! Ich will jetzt nichts von Roran lesen!“ Doch diese Gedanken halfen nicht. Beim nächsten Wechsel erging es mir wieder ebenso. Das ist allerdings keinesfalls ein Kritikpunkt! Es sorgte dafür, dass ich die Seiten geradezu verschlang, um zu erfahren, was mit einer bestimmten Person als Nächstes passiert – es war ein Spannungsinstrument.

Die bereits vertrauten Charaktere werden durch neue – genauso sorgsam konstruierte – Figuren ergänzt. Einige werden besonders hervorgehoben, andere spielen nur am Rande eine Rolle und dennoch ist jeder Charakter authentisch. Interessante Wendungen im Verständnis um so manche Beziehung sorgen für Spannung. Besonders die Beziehung zwischen Eragon und Arya wird ausführlich beschrieben. Eragons Gefühle für sie und der Schmerz, wenn sie wieder einmal nicht erwidert werden, ziehen sich durch das ganze Buch. Auch Saphira steckt in einer emotionalen Klemme. Wie gerne hätte sie einen Brutpartner, doch die einzigen männlichen Drachen, die es noch in Alagaësia gibt, kommen für sie nicht in Frage. Paolini erläutert all diese Gefühle farbenfroh und rührend, für jeden nachvollzieh- und nachempfindbar – ein Herzschmerz, den bestimmt schon jeder einmal gespürt hat, wird reflektiert.

Die geistigen Gespräche zwischen Eragon und Saphira sind elementarer Bestandteil der Saga. So auch in diesem Band. Sie zeigen die Tiefe der Beziehung der beiden auf und lassen in ihre Seelen blicken. Das ist besonders faszinierend und anrührend. Wer wünscht sich nach dieser Reihe keinen Drachen als engsten Freund?!

Kurz gefasst: Ein würdiger Nachfolger des ersten Bandes („Eragon – Das Vermächtnis der Drachenreiter“)! Spannungsvoll und mystisch, fantasievoll und magisch verzaubert Paolini abermals seine Leser und lässt sie zu einem Teil der Drachen-Saga werden.

Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung von www.cultural-noise.de.