Rezensionen

Kathis Bewertung 01 05 Sterne.png

Der dritte Teil der Saga beginnt genau da, wo der zweite aufgehörte. Roran, der Eragon am Ende des vorigen Buches um Hilfe bat, ist nun mit ihm unterwegs, um Katrina zu befreien. Doch nicht nur der Kampf gegen die Ra’zac steht bevor …

… viele weitere werden folgen – seien es geistige oder körperliche Schlachten; Kämpfe gegen sich selbst, seine Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft oder gegen Galbatorix, Murtagh und Dorn, viele, viele Krieger, die Galbatorix bis in den Tod verpflichtet sind oder Attentate aus den eigenen Reihen.

Tatsächlich besteht der „dritte Eragon“ fast ausschließlich aus Kämpfen, Schlachten, Anschlägen und Blutvergießen. Ich möchte es an dieser Stelle als „Gemetzel“ bezeichnen, denn etwas anderes ist es leider nicht. Ganz anders als in den anderen Bänden überhäuft Paolini hier den Roman mit nicht sehr appetitlichen Szenen und Szenarien. Bei einem Umfang von 846 Seiten Story findet sich erschreckend wenig Inhalt. Jedes Gemetzel wird jedoch ausführlich und in den schillerndsten Farben geschildert. So ist der Roman bis auf die letzten hundert Seiten weder spannend, noch durch die ersehnte „Paolini’sche Hypnotisierungskunst“ mitreißend. Wer sich das Blutvergießen nicht im kleinsten Detail antun möchte, kann die Seiten querlesen oder komplett überspringen – an Inhalt geht dadurch nicht viel verloren.

Schade, dass Paolini nicht bei seiner ursprünglichen Idee einer Trilogie geblieben ist. Er hätte den dritten Teil nicht so strecken müssen und mit ihm einen würdigen Abschluss der Drachenreiter-Saga bilden können – denn „in der Kürze liegt die Würze“!

Vielleicht liegt die Langatmigkeit allerdings auch daran, dass er nicht mehr der fantasievolle 15-Jährige ist, der er einst war. Vielleicht konnte er deshalb in „Die Weisheit des Feuers“ nicht mehr so begeistern und mitreißen. Vielleicht sind aus diesem Grund nur die ersten beiden Bände der Saga für Kinder und Teenager zu empfehlen – denn das ist der dritte wahrlich nicht mehr! Zu Recht wird „Eragon“ neuerdings in der Presse als „Fantasy-Thriller“ bezeichnet und nicht mehr einfach als „Saga“ oder „Drachenreiter-Zyklus“ wie nach Erscheinen von Band 1 und 2.

Vielleicht, vielleicht … doch eins ist klar: Paolini hat sich mit einer Tetralogie keinen Gefallen getan. Viele einst von ihm und Eragons Geschichte faszinierte Leser werden es sich dreimal überlegen, ob sie den vierten – und hoffentlich letzen – Teil der Saga kaufen. Mit Spannung und Vorfreude werden sie ihn allerdings nicht mehr erwarten. Eher stehen Skepsis und der Wunsch, dass Paolini noch einmal die Kurve zu seiner früheren Art findet, im Vordergrund. Ich als wahre „Eragon-Fanatikerin“ wurde mit noch größerer Intensität von „Die Weisheit des Feuers“ enttäuscht, als ich überhaupt durch Vorfreude aufbringen konnte.

Um diesen Roman nicht nur zu kritisieren, muss ich eingestehen, dass die letzten hundert Seiten sehr interessant und wieder so „scharf“ und „feurig“ waren wie eh und je. Auch einige Wendungen in der Geschichte – hier will ich nicht mehr verraten – kamen vollkommen überraschend (andere waren einfach zu vorhersehbar).

Paolini verknüpft geschickt die Geschehnisse mit den voran gegangenen in den anderen beiden Bänden. Einzelheiten (beispielsweise aus Prophezeiungen) finden ihre Erfüllung und sorgen für ein „Aha-Erlebnis“. Paolini beleuchtet Verhaltensweisen und Bemerkungen aus den ersten Büchern (auch bereits Verstorbene, kommen nicht zu kurz) und deckt damit ein besonderes Geheimnis auf.

Insbesondere die Drachen spielen eine große Rolle im Verständnis um die Saga – nicht aber in diesem Roman. Hier werden zwar Geheimnisse gelüftet, diese kommen aber im Verhältnis zu den ausführlichen Schlachten – ich werfe wieder das Wort „Gemetzel“ ein – zu kurz.

Auch der Wunsch, die Normalität in solch unruhigen Zeiten zu wahren, ist ein wichtiger Aspekt, der von allen Charakteren reflektiert wird. Da ist Saphira, die – als letzte lebende Drachendame – einen Brutpartner sucht, Eragon, der immer noch nicht so ganz von Arya lassen will sowie Katrina und Roran, die trotz allem an den Bund der Ehe glauben.

Kurz gefasst: Die Ideen ist gut: Alle Völker und alle wichtigen Charaktere treffen in diesem Teil der Saga aufeinander, für alle sind es entscheidende Zeiten und gemeinsam sind sie stark. Doch leider mangelte es Paolini dieses Mal an der rechten Umsetzung. Wir können nur hoffen, dass die Tetralogie wenigstens ihren Lohn und einen würdigen Abschluss im vierten Teil findet!

Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung von www.cultural-noise.de.