Rezensionen

Nicoles Bewertung 05 Sterne.png

Mari, die Tochter von Belle und Etienne ist ein kleiner Sturkopf, was sich schon sehr früh zeigt, als sie einen gefährlichen Ausflug mit ihrem Boot macht und die Warnungen ihrer Eltern damit sozusagen in den Wind schlägt. Diese Begebenheit ist jedoch nur eine der ersten, die dem Elternpaar aufzeigen, dass sie all ihre Kraft bündeln müssen, um Mari zu erziehen. Erschwerend kommt dazu, dass es erscheint, als ob das Mädchen trotz ihrer Intelligenz leider nicht viel Empathie für andere aufbringen kann und zeitweilig sogar herzlos erscheint.
Im Inneren sieht es in Mari jedoch ganz anders aus. Sie ist lediglich nicht in der Lage ihre Gefühlswelt ausdrücken zu können. Als sie, mittlerweile zu einer achtzehnjährigen jungen Frau herangewachsen ist, lernt sie einen Matrosen kennen, der sie jedoch nur ausnutzt. Irgendwann kommt die Affäre heraus und bringt Mari im kleinen neuseeländischen Ort Russell in Verruf. Ihr Ruf ist ruiniert und selbst ein Freund rät dazu, Mari für eine Weile, bis Gras über die Sache gewachsen ist, nach England zu schicken.

In England leben Belles und Etiennes Freunde Noah und Lisette, die Mari mit Freuden aufnehmen möchten. So macht sich Mari schließlich auf eine lange Seereise nach England auf, auf der sie auch auf Morgan trifft, der auf dem Schiff arbeitet und sie während sie erkrankt, gesund pflegt. Morgan scheint es ernst mit Mari zu sein und auch Mari ist verliebt, doch dann wird ihre Liebe auf eine ernstliche Probe gestellt, als sie sich nach einiger Zeit in London wieder begegnen und Morgan eine ganz andere Seite von sich preisgibt.
Beide gehen im Streit auseinander, doch der 2. Weltkrieg ändert alles und sie schreiben sich zumindest wieder. Jedoch glaubt Mari, dass sie Morgan niemals wieder sehen, geschweige denn, dass sie ihn nochmals lieben wird.
Überhaupt hat sie viele andere Dinge im Kopf, denn Mari muss zum ersten Mal in ihrem Leben lernen, sich zu behaupten und arbeiten. Als sie aber plötzlich durch einen Schicksalsschlag auf sich allein gestellt ist, nimmt ihr Leben eine dramatische Wende…

„Am Horizont ein helles Licht“ ist der bereits dritte Teil einer Serie, die mit der Liebesbeziehung zwischen Belle und Etienne ihren Anfang nahm. Leider wusste ich das zu dem Zeitpunkt, als ich zu diesem Buch griff, nicht. Obwohl ich es etwas schade fand, dass ich nun die Vorgeschichte sozusagen nur als Nacherzählung erfuhr, kam ich dennoch ohne Schwierigkeiten in diese Geschichte hinein, da es sich hier hauptsächlich um Mari, die Tochter der beiden Hauptakteure der Serie dreht, die während der Wirren des 2. Weltkriegs lernen muss, selbstständig zu werden.
Mari ist eine Romanheldin mit vielen charakterlichen Facetten. Sie hat zwar viele gute Eigenschaften, jedoch neigt sie auch zum Leichtsinn und Übermut, was ihr anfangs mehrmals zum Verhängnis wird. Jedoch ist sie gottlob lernfähig und man schließt sie als Leser schnell in sein Herz.

Richtig gut gefallen haben mir Ausdruck und Schreibstil von Lesley Pearse. Bislang hatte ich von der Autorin noch nichts gelesen und war dementsprechend sehr positiv überrascht und angetan von ihrer mitreißenden Erzählungsweise. Normalerweise habe ich es in Romanen lieber, wenn sie sehr dialogreich gestaltet sind, doch auch wenn das hier etwas anders ist und die Autorin zudem über weite Strecken die historischen Hintergründe schildert, ohne das in diesen Momenten ihre Protagonisten zu Wort kommen, wurde ich regelrecht an das Buch gefesselt, was der sehr unterhaltsamen, eingängigen Art des Erzählens geschuldet ist. Man ist beim Lesen auch nah an den Figuren und liebt und leidet mit ihnen mit. Besonders Maris und Morgans Werdegang hat mich sehr neugierig gemacht, so dass die Lesezeit wie im Fluge verging.
Aber auch die Schilderungen des Kriegsgeschehens lassen einen nicht kalt, vor allem weil sie sehr bildhaft und detailliert erscheinen und die Emotionen in einem schüren.

Kurz gefasst: Vom Mädchen zur Frau- Sehr mitreißender dritter Teil der „Belle“ Reihe, der unter die Haut geht und mich sehr begeistert hat. Absolute Leseempfehlung.