Rezensionen

Nicoles Bewertung 03 Sterne.png

Nachdem Evas Mutter Flora Selbstmord begeht, verändert sich von einem auf den anderen Tag das Leben für die junge Frau, denn nun erfährt sie, wieso sie von ihrem Vater niemals Liebe und Anerkennung erhielt, wohingegen ihre Geschwister diese zuhauf bekamen. Er ist nicht ihr leiblicher Vater und er lässt sie seine Abneigung nun auch geballt spüren, als er ihr eröffnet, dass ihre Mutter ihr ein Haus in London vererbt hat. Eva begreift, dass ihre Abwesenheit nicht mehr erwünscht ist und zieht zunächst in eine kleine Wohnung zum Übergang, wo sie einen netten jungen Mann kennen lernt, der sie über ihren ersten Schmerz hinwegtröstet. Doch Tod möchte sich nicht auf eine Frau allein festlegen und so ergreift Eva abermals die Flucht bei Nacht und Nebel und bezieht schließlich die ihr hinterlassene Wohnung in London, die baufälliger nicht sein könnte.

Doch Eva hat Glück im Unglück- als sie eines Tages von einem Handtaschenräuber überfallen wird, entpuppt sich der Verfolger des Diebes als ihr Retter in Not. Phil bringt die erschrockene Eva zurück in ihre Wohnung und bietet, als er den Zustand des Hauses sieht, sogleich seine Hilfe an. Eva freut sich darüber, endlich jemanden gefunden zu haben, der ihr freundschaftlich unter die Arme greifen möchte, doch die Frage nach ihrer Herkunft lässt sie nicht mehr los. Zu gerne würde sie endlich erfahren, wer ihr Vater war und welche Geheimnisse ihre Mutter verbarg. Denn warum diese sich umbrachte, kann Eva einfach nicht verstehen…

Nachdem ich vor einiger Zeit schon einmal einen Roman von Lesley Pearse las, der mir außerordentlich gut gefallen hat, der jedoch Teil einer Serie war, ( Am Horizont ein helles Licht) wollte ich auch unbedingt ihren neuen Roman, der allerdings ein Einzeltitel ist, lesen. Schon die Covergestaltung stieß mir positiv ins Auge; zudem liegen Romane in denen die Protagonisten Rätsel ihrer Herkunft ergründen müssen, oder ähnliches, genau in meinem Lesebeuteschema.

Zunächst ließ sich die Geschichte auch hochdramatisch und spannend an. Man lernt Eva kennen, die Heldin des Romans, deren Leben von einem auf den anderen Tag umgekrempelt wird und die plötzlich alles in Frage stellen muss, was sie bislang von ihrer Familie glaubte. Man wird als Leser schnell warm mit Eva und leidet ob ihrer Schicksalsschläge mit ihr mit.

Und bis zur Mitte des Romans, konnte mich „Das Geheimnis von Carlisle“ auch durchaus in seinen Bann ziehen. Doch immer mehr störte es mich dann, wie schablonenhaft die Nebenfiguren gezeichnet waren. Ob Evas Stiefvater, der keine freundliche Nuance an sich hatte, oder Evas egozentrische Geschwister; selbst Tod, der erst ein freundliches Naturell zeigte und plötzlich ohne Vorwarnung zu einem gewissenlosen Fremdgänger mutierte- dazu völlig grundlos und schon nach zwei kurzen Wochen der angeblichen großen Liebe. All das wirkte mir leider zu konstruiert und auf ein sehr künstlich wirkendes Drama hochstilisiert. Auch die Suche nach Evas Vater gestaltete sich dann leider nicht so spannend, wie ich es mir im Vorfeld erhofft hatte und dazu neigte Eva dazu, fast jedem Menschen in ihrer Umgebung Vertrauen zu schenken, auch wenn sie ihn gerade erst kennen gelernt hatte, was mich befremdete, denn solch ein naives Verhalten, dass die Heldin an den Tag legte, passte eher zu einer Romanfigur aus einem Historienroman.

Auch fand ich, dass sich die Protagonisten nicht wirklich zeitgemäß ausdrückten. Wir haben es hier mit einem Roman zu tun, der in der Gegenwart spielt, doch manche Dialoge klingen leider regelrecht altbacken, als stammen sie aus einer bereits lange vergangenen Zeitepoche, was mich sehr irritiert hat, beim Lesen.

Vielleicht liegt Lesley Pearse auch einfach das Schreiben von historischen Romanen mehr? Aber egal, woran es auch lag, all diese aufgeführten Kritikpunkte sorgten letztendlich dafür, dass ich mich durch die letzten 200 Seiten etwas durchquälen musste, so leid es mir für die Autorin und ihren Roman auch tut.

Kurz gefasst: Für mich leider nur ein mittelmäßiges Lesevergnügen, auch wenn die Story durchaus Potential hatte und Lesley Pearse durchaus zu schreiben versteht.