Rezensionen

Wildfees Bewertung 03 05 Sterne.png

Wer der Meinung ist, dass waffenfähige Amazonen mit Lara Croft Einschlag nichts in einem historischen Liebesroman zu suchen haben, sollte davon Abstand nehmen, dieses Buch auch nur in Erwägung zu ziehen. Wenn man jedoch einen etwas schrägen Plot mag und über so manche Unausgegorenheit in der Plotlogik hinwegsehen kann, ist der Roman durchaus amüsant.

Anders als der Klappentext vermuten lässt, ist unsere Heroine natürlich alles andere als eine erfahrene Kurtisane, sondern noch unschuldig, zumindest im sexuellen Sinne. Dafür ist sie bestens in den verschiedenen Kampftechniken ausgebildet, inklusive Tai Chi und Yoga und bewegt sich auch gekonnt auf dem gesellschaftlichen Parkett. Sie bekommt den Auftrag ein wichtiges Dokument wiederzubeschaffen, mit der Information, dass sich der Verräter in einem gewissen Zirkel bewegt. Unser Held ist zunächst der Hauptverdächtige, es stellt sich aber recht rasch heraus, dass er nicht der Verantwortliche ist.

Das Herumschleichen der Beiden umeinander ist eigentlich ganz gut gelungen und die Wort- und anderen Gefechte sind recht amüsant dargestellt. Ebenso sympathisch sind die beiden Hauptcharaktere, wobei recht schnell klar ist, dass Siena alles andere als die abgebrühte Dame von Welt ist, sondern im Gegenteil recht unsicher und Kirtland alles andere als der eiskalte Halunke ist. Der Stil ist recht flüssig, auch wenn es öfter mal etwas zu "schwülstig" wird. Da wäre weniger mehr gewesen, aber das ist reine Geschmackssache.

Das größte Manko des Romans ist schlichtweg die Plotschwäche. Wenn man sich näher vor Augen führt, wie unsere Heldin letztendlich an das Dokument gelangt und welchen Weg sie dafür wählt, kann man nur den Kopf schütteln. Gut, wenn man historische Liebesromane liest, weiß man in der Regel, dass man keinen Tatsachenbericht vor Augen hat, aber ein wenig mehr Realismus bzw. ein wenig mehr Komplexität hätte dem Roman schon recht gut getan.

So ist das Buch für einen historischen Roman zwar eher ungewöhnlich, aber nicht gut genug um wirklich herausragend zu sein. Trotzdem aber auch empfehlenswert, wenn man etwas Schrägheit zu schätzen weiß.