Rezensionen

Ankes Bewertung 04 Sterne.png

Zum Buch:

Ich habe Brigitte Pons Buch "Celeste bedeutet Himmelblau" aus zweierlei Gründen ausgewählt. Zum einen habe ich einen besonderen Faible für Krimis mit viel Lokalkolorit; und in diesem Fall sogar für ein heimatliches Setting, der Roman spielt im meinem Odenwald, an dessen Grenzen ich geboren bin und der seit ich denken kann meine Heimat ist; und zum anderen wegen des Titels, der ungewöhnlich für einen Krimi, mich jedoch sofort angesprochen hat.

"Celeste bedeutet himmelblau" fällt vor allem durch seinen doch recht jungen Hauptprotagonisten Frank Liebknecht auf. Bisher bin ich fast schließlich auf ältere, in Jahren erfahrene Ermittler in Krimis gestoßen. Ich will mich aber keinesfalls beschweren, ganz im Gegenteil, ich fand‘s nämlich richtig klasse und sehr spannend einen jungen Polizisten mit der alteingesessenen und mitunter Bauern-sturen dörflichen Bevölkerung zu konfrontieren.
Außerdem spielt der junge Polizist E-Bass was ihn mir sofort sympathisch gemacht hat, da unser Nachwuchs ebenfalls dieser Leidenschaft frönt - überhaupt sind die Jungs und Mädels an den E-Bässen sowieso die coolsten.

Brigitte Pons hat also für meinen Lesegeschmack ein perfektes Drumherum geschaffen, in dem ich mich sofort wohlgefühlt habe, während die eigentliche Geschichte einen flotten Verlauf nimmt. Denn gleich auf den ersten Seiten wird man mit einem Toten konfrontiert, unmittelbar darauf in die Ermittlungen und die Neugier und Beharrlichkeit eines Frank Liebknecht eingebunden.

Im Verlauf des Buches verschiebt sich der Fokus der Geschichte von dem toten Odenwälder Bauern weg, zu einer undurchsichtigen und potenziell verdächtigen Sektengruppierung bibeltreuer Anhänger und später dann zu geheimdienstlichen Aktivitäten des BND. Zwar ergibt das alles absolut einen Sinn, ist faszinierend zu verfolgen und von der Autorin wirklich geschickt konstruiert, doch verliert dabei, meiner Meinung nach, die Ausgangssituation, sprich der vermeintliche Unfalltod und die Ermittlungen drum herum, zu sehr an Bedeutung. Zwar ist bis zum Ende auch das aufgeklärt, dennoch fand ich es etwas bedauerlich.

Dieser Eindruck mag aber auch dadurch verstärkt worden sein, dass ich vielleicht zu naiv und arglos bin, was meine Heimat betrifft - nicht besonders realistisch, ich weiß - und ich mir ein solches Szenario zwischen Sekten und Geheimdienst besser in Berlin, London oder Paris vorstellen kann.

Nichtsdestotrotz fand ich den Zusammenhang, des vermeintlichen Unfalltodes eines Odenwälder Bauern mit einer Sekte bibeltreuer Anhänger, südamerikanischer Außenpolitik und des deutschen Geheimdienstes, wie ihn die Autorin ausführt interessant und spannend.

Übriges: Es hat eine ganze Weile gedauert, bis ich erkannte, inwieweit der Titel zum Inhalt des Buches passt. Es ist nur ein kleines, aber sehr feines Detail, was ich jedoch für genial ausgewählt halte und bei dessen Entdecken ich euch viel Vergnügen wünsche.

Zum Hörbuch:

Hier noch ein Bemerkung zur Hörbuch-Ausgabe: Sprecher der ungekürzten Hörbuchausgabe ist Martin L. Schäfer. Er trägt die Geschichte entspannt und höchst angenehm zu hören vor, sodass ich rundherum zufrieden war, mich zusätzlich zum Buch auch für die Hörbuchausgabe entschieden zu haben.

Kurz gefasst: Vom Odenwald nach Südamerika und zurück. Ein spannender Krimi, zwischen Familiendrama, Fanatismus und Geheimdienst.