Rezensionen

Nicoles Bewertung 05 Sterne.png

Francesca Giordanos Vater der im Dienste von Kardinal Rodrigo Borgia stand, in dem er dessen Familie vor heimtückischen Giftanschlägen schützte, wird eines Tages ermordet. Francesca, die von Kindesbeinen ebenfalls in die Künste ihres Vaters eingeweiht wurde, schwört dem Mörder bittere Rache. Um den Posten ihres Vaters zu bekommen und ein Exempel zu statuieren, bringt sie zunächst den neuen Mann Rodrigo Borgias mit Gift um. Ihr gefährlicher Plan geht auf- statt sie zur Rechenschaft zu ziehen, erkennt Kardinal Borgia Francescas Fähigkeiten und bietet ihr schließlich die Stelle ihres Vaters an.

Was Francesca jedoch nicht ahnt, ist, dass der Kardinal einen gefährlichen Plan verfolgt, den sie nun an ihrer Vatersstatt erfüllen soll. Dazu muss sie ein tödliches Gift entwickeln, das jedoch nicht als Gift erkennbar sein darf- im Gegenteil muss es so aussehen, als ob der Getötete eines natürlichen Todes starb. Und der Mann, den Francesca für Borgia töten soll, ist kein geringerer als der momentan amtierende Papst- eigentlich schreckt Francesca vor dieser Tat zurück, doch dann erfährt sie, dass der Papst persönlich den Tod ihres Vaters in Auftrag gegeben haben soll und so überdenkt sie noch einmal Kardinal Borgias Befehl. Ihre Mission wird lebensgefährlich, als sie nach und nach dunkle Geheimnisse erfährt, die ihr Vater vor ihr verheimlichte, doch wenigstens hat Francesca zuverlässige Mitverschwörer, die sie bei ihrem Vorhaben unterstützen wollen -selbst wenn es sie ihr Leben kosten sollte…

Die Familie Borgia ist dank einiger hochkarätiger TV-Serien zur Zeit in aller Munde und so wundert es nicht, dass man nun auch in literarischer Form mit dieser Familie konfrontiert wird. Aber wer bislang skeptisch war und „Die Tochter des Giftmischers“ lediglich für den Versuch hält, auf einen bereits fahrenden Zug aufzuspringen, kann hier beruhigt zugreifen. Ich gebe zu, ich war trotz des sehr ansprechenden Covers zunächst auch recht argwöhnisch, doch meine Bedenken haben sich beim Lesen völlig zerstreut.

Im Mittelpunkt des Geschehens steht eine sehr ungewöhnliche Frauenfigur, die von ihrem Wesen her ganz sicher nicht dem typischen Romanheldinnenprofil entspricht- sie entwickelt durchaus Gefühle für diverse Personen in ihrem nahen Umfeld- doch sie ist auch in der Lage diese Gefühle für ihre Mission hinten an zustellen um möglichst effizient zu agieren. So vermutet man zunächst, hinter ihrem nüchternen, kühlen und abgeklärten Handeln würde sich eine unsympathische Einzelgängerin verbergen- doch je besser man die Heldin im Laufe des Romans kennen lernt und ihren Dialogen und Gedankengängen folgt (der Roman ist in Ich-Form geschrieben und ab und an wendet sich die Heldin auch an die Leser persönlich) umso mehr Verständnis entwickelt man unweigerlich für sie; zumal sie während ihrer Aufgabe oft mit sich und ihrem Gewissen hadert, was sie sehr menschlich macht.

Sehr stark fand ich die Dialoge zwischen Francesca und diversen Nebenfiguren, wie zum Beispiel Rocco dem Glasmacher, zu dem sie sich trotz eines abgelehnten Heiratsantrag ihrerseits immer noch hingezogen fühlt, oder auch zwischen ihr und Rodrigo Borgia. Die Autorin macht dabei aber keinesfalls den Fehler in Sachen Rodrigo Borgia zu polarisieren- weder stellt sie ihn als Unmenschen dar, noch erklärt sie ihn zum Heiligen. Stattdessen beschränkt sie sich darauf, historische Tatsachen einzustreuen- wie etwa Borgias Machthunger, seinen Hang zum Familienzusammenhalt, seine Intelligenz und sein intrigantes Ränkespiel.

Obwohl man sehr schnell erfährt, was Rodrigo Borgia von Francesca erwartet, baut die Autorin den Spannungsbogen danach kontinuierlich auf, um ihn bis zum Ende konstant hoch zu halten. Francescas Mission allein ist es nicht, die die größten Spannungsmomente verspricht, sondern ein gefährlicher Widersacher und Eiferer, der Ränke schmiedend und für seine Sache mordend durch Rom streift und Francesca das Handwerk legen will.

Einmal begonnen, konnte ich diesen historischen Roman nicht mehr aus den Händen legen- es ist ein echter Pageturner und fast schon eher als historischer Krimi zu bezeichnen, als ein reiner historischer Roman zu sein.

Ein wenig mehr Hintergrund hätte ich mir Francescas Arbeit als „Giftmischerin“ betreffend gewünscht- zwar baute die Autorin diverse Szenen ein, in denen sie ihre Heldin mit gewissen Mixturen hantieren ließ, doch diese wurden leider etwas zu spärlich eingesetzt.

Dafür sind sowohl Haupt als auch die wichtigsten Nebenfiguren hervorragend charakterisiert und haben Tiefe- auch verströmt der Roman sehr viel historisches Flair, so dass einem Lesevergnügen für Fans historischer, zugegeben etwas düsterer Lektüre, nichts mehr im Wege steht. Ich jedenfalls bin sehr begeistert und angenehm überrascht von „Die Tochter des Giftmischers“ gewesen und bin gespannt, ob es noch weitere Fortsetzungen über Francesca geben wird.