Rezensionen

Nicoles Bewertung 03 05 Sterne.png

Im Jahre 1860 riefen die Russen einen Wettbewerb aus, der unter anderem den ehrgeizigen Erfinder Dr. Leviticus Blue auf den Plan rief. Es sollte eine Maschine gebaut werden- von so robuster Bauweise, dass sie in der Lage wäre, sich während des Goldrausches in Alaska durch das ewige Eis zu bohren. Die 100 000 Rubel lockten Blue und so machte er sich tatkräftig und emsig ans Werk.

So entstand schließlich der „Boneshaker“, der der Stadt Seattle am Ende jedoch Angst, Schrecken und Vernichtung brachte. Die gewaltige Maschine geriet außer Kontrolle, zerstörte große Teile der Stadt und tötete dabei viele Menschen. Diejenigen, die nicht gleich starben, atmeten zwangsläufig ein aus der Erde strömendes, rätselhaftes Gas ein und wurden nach ihrem Tod zu Wiederkehrern; zu fleischfressenden Untoten, die sich auf die unermüdliche Suche nach Menschen machten, die die Katastrophe überlebt hatten. Das Chaos brach über Seattle herein- den Gesunden war klar, dass sie nicht mehr in der Stadt leben konnten, ohne durch das Gas nicht auch in Zombies verwandelt zu werden und so bauten sie um die Stadt eine große, hohe Mauer und bezogen Hütten und Häuser außerhalb des kontaminierten Stadtkerns.

Dr. Leviticus Blue und der „Boneshaker“ verschwanden von einem auf den anderen Tag spurlos und obwohl die Menschen seinen Schwiegervater Maynard als Helden verehrten, hassten sie Leviticus Blue abgrundtief für das, was er ihnen mit dem „Boneshaker“ ob bewusst oder unbewusst angetan hatte.
Blues Ehefrau Briar hatte demnach einen schweren Stand- auf der einen Seite einen Helden als Vater, auf der anderen Seite einen Mann, der für den Tod so vieler Menschen verantwortlich war. Zudem war sie schwanger.

Viele Jahre später ist ihr Sohn Zeke nun erwachsen und stellt immer wieder zahlreiche Fragen über seinen Vater. Er glaubt nicht daran, dass Leviticus Blue ein schlechter Mensch war und will ihn bzw. dessen Ruf rehabilitieren. Als Briar erfährt, dass ihr Sohn sich deswegen aufgemacht hat in die kontaminierte Stadt, ist sie außer sich vor Angst und bereut zum ersten Mal, dass sie ihrem Sohn niemals die Wahrheit über die Dinge die damals geschahen, erzählt hat.
Auch sie will ihrem Sohn folgen, doch der Zugang, der bis dato frei war, ist durch ein plötzliches Erdbeben nun versperrt. So muss Briar sich zu den Luftpiraten durchschlagen, die die Stadt und die Mauer mit ihren gewaltigen Luftschiffen überfliegen. Doch ganz so gefahrlos ist ihr „Abenteuer“ nicht…

„Steampunk“ ist momentan der allerneuste Trend auf dem Büchermarkt- also Geschichten die etwa in der viktorianischen Ära oder etwas später angesiedelt sind, in denen jedoch fiktionale Erfindungen von technischen Errungenschaften (oder tatsächliche Erfindungen späteren Datums) Erwähnung finden und in denen die Autoren Historie und Fantasy-Elemente so miteinander vermischen, dass man am Ende eine Art „Retro Science-Fiction Abenteuer“ vor sich hat.
Auch „Boneshaker“ gehört in die Kategorie „Steampunk“ und wurde mir im Zuge unserer „Happy End Bücher.de Fremdlesen Challenge“ von unserer Anke zugedacht.
Und das aus gutem Grund- Science-Fiction Romane, noch überdrehte Abenteuerromane gehören sonst zu meinem Lese-Beuteschema. Und zu allem Überfluss bekam ich es hier auch noch mit Zombies zu tun. Dementsprechend war ich im Vorfeld nicht gerade hellauf begeistert, was diesen Roman anging. *gg*

Meine vermeintliche Leseherausforderung war dann jedoch rückblickend betrachtet, nicht ganz so schlimm, wie ich befürchtet hatte. Im Gegenteil, der Roman lässt sich trotz seiner immerhin 510 Seiten schnell und leicht lesen. Es gibt jedoch auch ein paar Kritikpunkte, die mich von einer besseren Bewertung abgehalten haben. Zum einen dauert es für meinen Geschmack unheimlich lange, bis der Roman an Fahrt aufnimmt. Erst ab dem Zeitpunkt als sich sowohl Zeke als auch Briar in der kontaminierten Stadt befinden, wird es spannender.

Jedoch herrscht in „Boneshaker“ eine recht gedrückte Endzeitstimmung, selbst wenn diverse schrullige Nebenfiguren, denen die Beiden im Laufe der Zeit begegnen, für amüsante Dialoge sorgen, konnte ich mich mit dem depressiven Untergangszenario nicht anfreunden. Auch über die „Fresser“, wie die Zombies in diesem Roman genannt werden, zu lesen, fand ich wirklich sehr eklig. Dagegen weiß man von Beginn an, dass Briar ihrem Sohn gegenüber ein Geheimnis hütet und herauszufinden, worum es dabei geht, machte eigentlich allein den Reiz des Buches für mich aus.

Obwohl die Autorin ihrem Roman durchaus einige Zutaten mitgegeben hat, die einen unwissenden Leser glauben lassen könnte, dass es sich hier um ein völlig verrücktes, überdrehtes Fantasyspektakel handelt, kann ich in diesem Punkt Entwarnung geben. Die Gründe die sie sich für die „Fresser“, die Geisterstadt, die Luftpiraten und nicht zu vergessen das verhängnisvolle Gas ausgedacht hat, klingen plausibel.

Der Roman soll etwa um die Jahrhundertwende in den USA spielen, doch was mich beim Lesen sehr verwundert hat, war, dass sich sämtliche Haupt und Nebenfiguren in diesem Roman so ausdrücken wie die Menschen heutzutage- somit fehlte mir persönliche das gewisse historische Kolorit. Und auch die Akteure in diesem Roman waren bis auf Briar nicht unbedingt charismatisch genug für meinen Geschmack. Zeke, Briars Sohn, legt bei seiner Reise in die Stadt und auch bei seinem weiteren Aufenthalt dort eine Naivität an den Tag, die bei mir für permanentes Augenrollen gesorgt hat und die es eigentlich sehr unglaubwürdig macht, dass er dort tatsächlich überleben könnte.

Ich für meinen Teil habe bei meinem Ausflug ins „Steampunk“ Genre festgestellt, dass mir diese Art von Romanen eigentlich nicht so zusagt und mich auch die Erwähnung der technischen Errungenschaften darin eher langweilt. Schon als Kind haben mich Jules Vernes Romane nicht hinter dem Ofen hervorlocken können und auch heute geht es mir da scheinbar noch nicht viel anders. Die abenteuerliche Komponente in „Boneshaker“ gefiel mir dagegen jedoch sehr gut und da sich der Roman auch so locker leicht und fluffig weglesen ließ, würde ich die durchgelesenen 510 Seiten jetzt nicht als verschwendete Lesezeit ansehen, denn der Roman hat durchaus auch interessante Ansätze zu bieten.

Kurz gefasst: Unterhaltsames Popcorn-Kino in Romanform für Science-Fiction, Endzeitstory und Steampunk Fans.