Rezensionen

Nicoles Bewertung 05 Sterne.png

Francescas Leben scheint in glücklichen Bahnen zu verlaufen. Ihr Mann John liebt sie abgöttisch und auch mit seinem Cousin Michael versteht sie sich prächtig; rein platonisch natürlich. Was sie nicht ahnt, ist, dass Michael, nach außen hin ein Lebemann wie es im Buche steht, sie seit dem ersten Moment des Kennenlernens, faszinierend und anziehend findet. Doch auch er liebt seinen Cousin John sehr und verbirgt daher, das Gefühl, dass er für Francesca empfindet, sehr geschickt und mit einem schlechten Gewissen.

Als John eines Abends über Kopfschmerzen klagt und sich eine Weile zur Ruhe begeben möchte, geht Francesca mit Michael aus und die beiden haben sehr viel Spaß unterwegs. Zuhause angekommen wundert sich Francesca, dass ihr Mann immer noch nicht aufgestanden ist und betritt sein Schlafzimmer. Dort stellt sie zu ihrem Entsetzen fest, dass ihr Mann tot in seinem Bett liegt.

Von Trauer überwältigt zieht sich Francesca, die schwanger ist, eine Weile zurück. Leider trifft sie kurze Zeit später noch ein Schicksalsschlag; sie verliert ihr Baby. Doch Michael, nun Erbe von Johns Titel und Besitz, schafft es nicht, Francesca richtig zu trösten und ihr seine Liebe zu gestehen, da er Johns Tod ebenfalls nur schwer verwinden kann. Sie gehen im Streit auseinander...

Stattdessen, immer noch mit einem leisen Schuldgefühl; schließlich beneidete er John von Anfang an um die Ehefrau, beschließt Michael, für einige Zeit nach Indien zu gehen, um für die gehoffte Ablenkung zu sorgen.

Jahre vergehen in denen Francesca kaum etwas Neues über Michael hört. Verbittert, schließlich war Michael Francescas bester Freund, beschließt Francesca nach London zu fahren, denn sie möchte Kinder und somit benötigt sie zu allererst einen neuen Ehemann. Im Stadthaus ihres toten Ehemanns angekommen trifft sie unverhofft auf Michael, der auch erst seit kurzer Zeit wieder in England ist. Francesca ist trotz ihres Grolles froh, ihn wiederzusehen und auch Michael scheint mehr als erfreut, ihre platonische Freundschaft wieder aufleben zu lassen.

Nachdem sie wieder einige Zeit miteinander verbracht haben, spürt Michael, dass seine Liebe zu Francesca immer noch Bestand hat. Daher ist er natürlich weniger erfreut, als er feststellt, dass es ihr Ernst damit ist, einen neuen Ehemann zu finden. Wie gerne würde er ihr seine Liebe gestehen- doch Francesca scheint nicht zu ahnen, welche Gefühle tief in seinem Inneren schlummern. Und selbst im günstigsten Fall, wenn sie ihn anhören und die gleiche Liebe für ihn empfinde würde; wie könnte er sein Glück auf dem Unglück seines Cousins aufbauen? Auch Francesca stellt beunruhigenderweise fest, dass sie Michael nicht nur als besten Freund behalten möchte. Sie will mehr, doch Michael weigert sich zunächst standhaft. Wird es Francesca schaffen, Michael von seinen Schuldgefühlen abzubringen und zu seiner Liebe zu stehen?

Hier ist er nun; der neuste Julia Quinn Roman über die Bridgertons und ich muss gestehen, nun hat mich das Bridgerton-Fieber doch noch erwischt. ;-) Julia Quinns Schreibkunst steigert sich wirklich von Band zu Band; auch der Vorgängerband "In Liebe, Ihre Eloise" war schon sehr nett zu lesen, doch dieser Teil hat wirklich alle meine Erwartungen, die ich an dieses Buch bzw. an die Autorin hatte, übertroffen!

Lesern jedoch, die gerade von der humorvolleren Art der ersten Teile dieser Reihe begeistert waren, muss ich vorwarnen! Dieser Roman ist auf keinen Fall mit den anderen Büchern zu vergleichen. Er ist schon etwas ernster und stellenweise auch sehr traurig gehalten. Doch ich finde, dass das gerade den Reiz dieses Buches ausmacht.

Es ist rührend, wie Michael versucht, seine Gefühle für Francesca zu vertuschen, weil er seinem toten Cousin so nahestand und es für ihn eine schreckliche, ehrlose Vorstellung wäre, würde er sein Glück mit Francesca suchen. Michael ist ein sehr sympathischer und sehr sensibler Charakter. Francesca dagegen hatte anfangs mein absolutes Mitleid, doch was mich ein bisschen gestört hat, war, dass Mrs Quinn Francesca etwas zu lange im Dunkeln tappen ließ, was Michaels echte Gefühle, betraf. Zumal sein Verhalten ab und an schon ziemlich offensichtlich war. ;-) Aber das minderte mein Lesevergnügen an diesem Buch in keinster Weise und ich kann es auch Leserinnen empfehlen, die die Bridgerton-Reihe bisher noch nicht mochten.

Ankes Bewertung 03 05 Sterne.png

Vier Jahre nach dem frühen Tod ihres geliebten Ehemannes John Stirling, Earl of Kilmartin, ist Francesca endlich bereit ihre Trauer abzulegen. Sie wünscht sich eine Familie und Kinder und ist damit bereit erneut zu heiraten.

Überraschend Tatkräftig in ihrer Entscheidung reist sie nach London und trifft dort im Stadthaus unerwartet auf den Cousin ihres Mannes und ehemals guten Freund des Paares, den neuen Earl, Michael Stirling.

Michael, gerade aus Indien zurückgekehrt, sieht sich so völlig unvermutet erneut der Witwe seines Cousins und Freundes John gegenüber. Ein Schock, den er seit Johns Tod sorgsam gemieden hat. Denn Francesca ist die einzige Frau, die er je geliebt hat, die er je lieben wird und die er, in Andenken an John, nie sein nennen wird können.

Doch so wie Francesca lernen muss, dass in ihrem Herzen auch ein Platz für Michael ist, so muss Michael lernen mit den erdrückenden Schuldgefühlen umzugehen, dass er nun nicht nur den Titel und das Erbe eines Freundes besitzt, sondern auch noch dessen Frau begehrt.

Dieser 6. Teil der Bridgertons hat sich, mit den Jahren, zu dem Wohl umstrittensten und am wenigsten beachteten Teil der Serie entwickelt. Er wurde als 6. Teil der Serie veröffentlicht, doch seine Ereignisse überschneiden sich zeitlich mit denen aus „Penelopes pikantes Geheimnis“ und „In Liebe, ihre Eloise“. Würde es Sinn ergeben diesen Teil vor Penelopes Geschichte zu lesen? Meiner Ansicht nach nein. Zum einen spielt die Geschichte zum Teil in Schottland, zum anderen ist Francesca, als Witwe, dem Haushalt der Bridgertons bereits seit ein paar Jahren entwachsen – was vermutlich auch der Grund ist, warum sie und ihre Geschichte immer ein wenig außen vor bleibt.

Tatsächlich hatte auch ich schon längst wieder vergessen, dass ich Francescas Geschichte bereits gelesen und das, obwohl ich der Geschichte damals 4,5 Punkte verliehen, die Figuren als sympathisch bewertet und die Geschichte als gradlinige Geschichte, ohne störendes hin und her beschrieben habe. Allerdings fiel es mir, gemäß meiner damaligen Rezension, schwer Francescas zögern, Michael zu heiraten nachzuvollziehen.

Und genau das ist mir auch beim re-reading aufgefallen, nur hat es mich nicht mehr so irritiert. Julia Quinn treibt die Veränderung von Francescas und Michaels Freundschaft nur sehr langsam vorantreibt - was jedoch durchaus im Sinn des Charakters ist, da Francesca ihren 1. Ehemann aufrichtig geliebt hat und sie erst langsam begreift, dass in ihrem Herzen auch noch Platz für Michael sein kann. Die Beziehung, seitens Francescas, verändert sich erst mit dem neu Entdecken des körperlichen Begehrens, was, wie ich finde, dem Leser wirklich einige sehr schöne und erotische Szenen bietet.

Doch bis die Autorin mir das geboten hat, musste ich mich stellenweise durchaus dazu ermuntern weiterzulesen. Streckenweise fand ich es schlicht langweilig Michaels „ich darf nicht“ und Francescas ewiges „nur Freundschaft“, sowie das „wir rennen lieber weg, als zu reden“ ertragen zu müssen. Womit ich auch meine damaligen 4,5 Punkte Bewertung heute nicht mehr bestätigen kann.

Kurzgefasst: damals: „eine wunderbare Geschichte“, heute: „eine nette Geschichte“ – damals: „die hauptsächlich vom Charme und der Sympathie für den männlichen Helden Michael lebt“, heute: „Michael ist durchaus ein reizvoller Charakter, der die Geschichte über weite Strecken trägt und doch fand ich ihn mitunter recht anstrengend“. Heute: „Für Serienfans natürlich ein Muss, für alle anderen, kann man, muss man aber nicht lesen“.

Schattens Bewertung 04 05 Sterne.png

Gott will ihn bestrafen! Dies denkt Michael als er die Verlobte seines Cousins John kennen lernt. Jahrelang hat Michael verführt was auf zwei Beinen ging und nie konnte eine der Frauen sein Herz erreichen. Erst Francesca Bridgerton, bald Stirling, schafft dies, doch darf sie das niemals erfahren.

Aber dann schlägt das Schicksal zu und John stirbt. Michael muss nun dessen Rolle als Earl übernehmen. Geschockt erkennt er, das Francesca wieder frei ist, doch er will nicht einfach nur ein Ersatz für John sein.
Aus diesem Grund „flieht“ Michael nach Indien, wo er versucht mit seinen Schuldgefühlen klar zu kommen, dass er immer noch die Frau seines Cousin begehrt.

Vier Jahre später hat Francesca ihre Trauer abgelegt und ist auf der Suche nach einem neuen Ehemann, der ihren Kinderwunsch erfüllen soll. Gleichzeitig kehrt auch John aus seinem freiwilligen Exil zurück.
Kann er endlich seine Schuldgefühle überwinden? Und wenn, kann Francesca ihn wirklich nicht nur als ihren besten Freund sehen, sondern als Geliebten?

Waren die vorigen Bridgertons durch Witz und Humor geprägt, ist dieser Roman ein etwas härterer Tobak. Sowohl Michael als auch Francesca sind Charaktere, die durch ihre Vergangenheit geprägt sind, und die damit klar kommen müssen, dass ihr Mann bzw. bester Freund/Cousin tot ist und sie dagegen weiterleben müssen.

Dabei gefiel mir besonders die Charakterisierung von Michael. Er ist charmant und zärtlich, gleichzeitig ist er sehr einfühlsam bzg. Francescas Gefühlsleben und würde alles tun damit sie ihr Glück findet. Besonders den Kontrast zwischen dem Deckblatt des Lebemanns und seinem komplexen Inneren, das er niemanden zeigt, hat mich gefesselt und ihn zu einem meiner Liebesromanlieblinge gemacht.

Dagegen hatte ich bei Francesca manchmal meine Probleme. Ihr Zögern auf Michael einzugehen, war mir oft unverständlich und ihr Verhalten war auch teilweise recht … kindisch.

Aber auch dieses Manko wurde sehr gut durch den gewohnt fließend lesbaren Schreibstil der Autorin ausgesühnt. Er schaffte es sogar, mich bei Johns Tod fast zu Tränen zu rühren, da die Beziehung Francesca/John/Michael so toll dargestellt wurde.
Ich wusste zwar, das John sterben musste, doch schaffte es Julia Quinn es wunderbar dies sehr gefühlvoll darzustellen.

Ein weiterer Pluspunkt ist auch der Plot, der ohne irgendwelche großen schlimmen Hindernisse/Probleme auskam.

Der Roman, der zeitgleich mit dem 4. und 5. Bridgerton (Penelopes pikantes Geheimnis + In Liebe, ihre Eloise) spielt, was man daran merkt das Colin z.B. von seiner Verlobung erzählt oder Francesca durch einen Brief erfährt, dass es bei Eloise eine Blitzhochzeit gab, hat aber leider auch einen Fehler der mich arg nervte. Es wurde zigmal das Wort „verrucht“ benutzt. Am Ende war ich selbst schon so verrucht, das ich Francesca hauen wollte, weil sie dieses Wort immer wieder benutzt. ;-)

Diese Wortwiederholung und Francescas teilweise kindische Verhalten, waren aber wirklich die schlimmsten Vergehen im Buch.

Darum kann ich ohne Zweifel sagen, das ich zwar die humoristischen Bridgertons mehr mag, doch auch dieses Buch hat sehr viel Charme, sodass ein Lesen wirklich lohnt.