Rezensionen

Nicoles Bewertung 03 Sterne.png

Nach dem Tod ihrer Eltern muss Grace für ihren Cousin, den nächsten Erben ihres Elternhauses, Platz machen. Als er ihr zudem noch zu nahe tritt, bietet sich der alleinstehenden Frau ein einziger Ausweg an; als Gesellschafterin soll sie der Dowager Duchess of Wyndham von nun an zur Seite stehen.
So vergehen fünf Jahre in denen Grace zwar versorgt ist, aber ständig unter den Launen der halsstarrigen und unfreundlichen Dowager Duchess zu leiden hat. Der einzige Verbündete von Grace in dieser Zeit, ist der Neffe der Duchess, Thomas, der Duke of Wyndham, dessen Verhältnis zu seiner Großmutter eher als unterkühlt zu bezeichnen ist.

Eines Tages wird die Kutsche der Duchess überfallen. Der schneidige Straßenräuber gibt sich äußerst galant, als er die Duchess und Grace um ihre Wertsachen erleichtern will. Trotz seiner Maskierung hat er jedoch eine frappierende Ähnlichkeit mit dem, vor vielen Jahren verstorbenen zweiten Sohn der Duchess, John, und nach einer kurzen Schrecksekunde gibt die alte Dame ihren Verdacht auch preis. Der Räuber erstarrt sichtlich, als sie den Namen seines verstorbenen Vaters nennt und flieht Hals über Kopf.

Doch die sture alte Dame lässt sich so schnell nicht abschütteln und entführt Jack, den Straßenräuber, mit Graces Hilfe nur einen Tag später. Jack staunt nicht schlecht, als ihm die Duchesss offenbart, dass sein verstorbener Vater ihr zweitgeborener Lieblingssohn war, der eigentlich den Titel des Duke of Wyndham hätte tragen müssen, nachdem vor Jahren ein Fieber sowohl Ehemann als auch ihren Erstgeborenen hingerafft hatte.

Da der amtierende Duke of Wyndham, der Sohn des drittgeborenen Sohnes der Dowager Duchess ist, will die alte Frau nun Klarheit haben, denn wenn Jacks Eltern einst verheiratet waren, wäre Jack der rechtmäßige Erbe des Titels.Jack ist recht hin und hergerissen von seinen eventuellen neuen Möglichkeiten und hat seine Zweifel ob er dieses Erbe überhaupt antreten möchte, denn er verliebt sich Hals über Kopf in Grace, deren Vater nur von niederem Adel war. Und als rechtmäßiger Duke müsste er, wenn er sich nach den Wünschen seiner Großmutter richten würde, eine andere Frau heiraten...

"Geküsst von einem Duke" ist der erste Teil einer neuen Serie von Julia Quinn, die abermals in der Zeit der Regencyepoche angesiedelt ist. Das Heldenpaar des ersten Teils ist recht unterschiedlich konzipiert und mir fiel es sehr schwer, in ihnen beiden typische Julia Quinn Romanfiguren zu sehen.

Grace ist eine junge Frau, die sich als Gesellschafterin regelrecht von ihrer Arbeitgeberin knechten lässt. Man kann als Leser nachvollziehen, dass Grace der Dowager Duchess gegenüber Dankbarkeit empfindet, weil sie ihr einst eine Stelle anbot, doch Graces Unterwürfigkeit war für meinen Geschmack ein wenig zu stark ausgeprägt.

Zwar ist Grace eine freundliche und hilfsbereite Romanfigur, wirkt aber, weil sie ständig den unteren Weg geht, um Auseinandersetzungen aus dem Weg zu gehen, stets gehemmt und ein wenig langweilig. Als Jack in ihr Leben tritt, ist es sein vordergründiges Ziel Grace aufzuheitern und sie dazu zu bringen, sich auch einmal der boshaften Bemerkungen ihrer Arbeitgeberin zu erwehren, was ihm nur bedingt gelingt, da Grace sich nur in seine alleinigen Gegenwart öffnet.

Jack wirkt auf den ersten Seiten zunächst wie ein vielversprechender Liebesromanheld. Er sieht nicht nur gut aus, sondern er scheint auch einen ausgeprägten Sinn für Humor und das Herz auf dem rechten Fleck zu haben.

Doch obwohl die Autorin dem Leser durch Einblicke in Jacks Gedankenwelt durchaus vermitteln kann, dass Jack auch eines ernsten Gedankens fähig ist und sich hinter seiner fröhlichen Fassade ein Mann mit einem aufgeladenen Schuldkomplex und Selbstzweifeln verbirgt- irgendwann hatte ich genug von seinem sehr albernen, oberflächlichen Verhalten, das er an den Tag legt. Keine Situation kann er ernst nehmen, er legt sich nicht nur mit seiner Großmutter (was noch nachvollziehbar war), sondern auch mit seinem Cousin Thomas an, obwohl dieser sich zu jedem Zeitpunkt ehrenhaft verhält. Jack wirkt wie ein kleiner, verzogener, unreifer Junge, der um jeden Preis seinen Willen durchsetzen möchte und auch im Laufe des Romans nicht reift.

Die Autorin vergisst es jedoch nicht, in vielen Wiederholungen darauf hinzuweisen, dass Jack, wie einst sein Vater, unglaublich charmant und witzig ist und mit seiner fröhlichen Ader alle Menschen um den Finger wickeln kann. Leider empfand ich seine diversen Bemerkungen als eher belanglos und wenig amüsant geschrieben und kann dem so gar nicht zustimmen.
Da auch Jacks Großmutter bis zuletzt eine unfreundliche, unsympathische Romanfigur bleibt und somit eine Aussöhnung zwischen ihren beiden Enkeln unmöglich ist und Jack sich darauf beschränkt Grace ständig zu necken und mit ihr auf Tuchfühlung zu gehen, tritt die Handlung ab der Mitte des Romans ein wenig auf der Stelle.

Die Autorin führt in diesem Band aber bereits das Heldenpaar des nächsten Teils ein- Thomas und Amelia, wobei sich hier schon herauskristallisiert, dass diese Figuren vielschichtiger und interessanter sind, als Grace und Jack und ich hoffe sehr, dass die Autorin in der Fortsetzung wieder zu alter Form zurück findet, denn auch ihr Schreibstil ist so völlig anders, als wie es in der Bridgertonreihe der Fall ist. Ich habe besonders die wunderbare regencytypische Ausdrucksweise der Autorin vermisst, derer sie sich sonst bedient.
"Geküsst von einem Duke" ist trotz meiner vielen Kritikpunkte zwar nicht schlecht, wenn man bisher noch nichts von der Autorin gelesen hat und eher leichte, historische Liebesromankost bevorzugt, doch leider auch nicht viel mehr als das.

Kurz gefasst: Recht mittelmäßiger Auftakt zur neuen Wyndham Reihe

Ankes Bewertung 04 Sterne.png

Ich finde, dass "Geküsst von einem Duke" durchaus kurzweilige und beschwingte Unterhaltung ist, allerdings hatte ich auch das Gefühl, dass die Geschichte ein wenig zu glatt verlief. So wurden Probleme, die theoretisch durchaus als solche gewertet werden konnten, wenig einfallsreich, enttäuschend einfach und schnell gelöst.

Zwar schätze ich historische Liebesromane die ohne Verwechslungen und unnötige Irrungen und Wirrungen auskommen und in denen die Protagonisten sich ihrer Gefühle und Werte für einander bewusst sind, wie im Falle von "Geküsst von einem Duke", dennoch mag ich auch Konflikte und komplizierte Charaktere, die nicht so einfach zu durchschauen sind; Perfektion wird nun einmal schnell langweilig.

Und auch genau das waren meine Probleme mit den Hauptcharakteren. Jack Audley, den ich zunächst als recht interessante, verwegene und charmante Persönlichkeit einschätze, ging mir irgendwann mit seinem Charme auf den Nerv und ich wurde seines an sich freundlichen und sympathischen Wesens schnell überdrüssig. Alles Verwegene verschwand ganz aus seinem Charakter und zurück blieb eine Figur, die ich kaum noch mit dem der Anfangssequenz des Buches in Verbindung bringen konnte.

Auch Grace, die sich zwar das ganze Buch über treu blieb, wurde mir irgendwann einfach zu perfekt. Zwar konnte ich die Beweggründe für ihr gütiges und geduldiges Verhalten durchaus nachvollziehen und konnte mich auch an ihrem kleinen Aufbegehren erfreuen, doch irgendwann wurde mir ihre Geduld und ihre Nettigkeit einfach langweilig.

So habe ich zwar mit Grace und Jack gelacht und mich an ihrem Geplänkel erfreut, doch wirklich mit ihnen geliebt und gelitten habe ich nicht, dazu haben mich die Figuren einfach nicht genug gefesselt.

Richtig genial finde ich allerdings die Idee der Duologie, weswegen ich mich auch schon sehr auf "Verführt von einer Lady" freue.

"Geküsst von einem Duke" und "Verführt von einer Lady" sind eng miteinander verbunden, spielen im gleichen Zeitraum, haben aber jeweils eigene Hauptprotagonisten. So wird eine Grundgeschichte aus den Blickwinkeln von gleich zwei Paaren erzählt, die jedoch wiederum ihre eigenen Abenteuer erleben. Eine, wie ich finde, recht interessante und spannende Ausgangssituation.

Kurz gefasst: Eine unterhaltsame und kurzweilige Geschichte, aber doch auch viel zu "glatt" um mitzureißen oder zu fesseln.