Rezensionen

Ankes Bewertung 03 Sterne.png

Bisher ist Colin Bridgerton den Bestrebungen seiner Mutter und seiner Brüder, ihn zu verheiraten, mit Reisen aus dem Weg gegangen. Doch etwas hat sich verändert, er ist des Reisens müde geworden und sehnt sich nach einer Aufgabe, die sein Leben ausfüllen kann.

Erst als Penelope Featherington, die langjährige Freundin seiner Schwester, die im Laufe der Jahre fast zu einem Familienmitglied geworden ist, sein Reisetagebuch findet und ihn dazu animiert seine Reisen zu dokumentieren und die Berichte zu veröffentlichen findet er eine Aufgabe, die ihn ausfüllt. Was sein Augenmerk auf Penelope lenkt, die ihn äußerst zu irritierten beginnt.

Penelope Featherington ist schon seit vielen Jahren heimlich in Colin verliebt; ohne Aussicht darauf, dass ihre Liebe je Erwiderung finden würde. Da für sie kein andere infrage kommt, hat sie sich mit dem Leben als kaum beachtete alte Jungfer abgefunden. Zudem hat sie gerade genug Aufregung in ihren Leben, denn Lady Danbury hat, in dieser als langweilig deklarierten Saison, 1000 Pfund Belohnung, für den oder diejenige angeboten, der die geheime Schreiberin des Klatschblattes „Lady Whisteldown“ enttarnt. Eine finanzielle Verlockung, die Penelope in große Schwierigkeiten bringen kann.

Anlässlich der 1. Staffel, der von Netflix produzierten Verfilmung von Julia Quinns Bridgertons, habe auch ich die Bücher der Serie aus den Tiefen meines Bücherregals zum re-read hervorgeholt. Ich gestehe jedoch, dass ich dafür nur die Teile ausgewählt habe, die mich heute noch ansprechen, bzw. von denen ich dachte, dass ich sie damals, beim ersten Kennenlernen, sehr gut gefallen haben. Dem zum Opfer ist die Geschichte von Benedict und Sophie gefallen. Zwar habe ich diese mit 4 guten Punkten bewertet, aus meiner Erinnerung heraus konnte sie mich jedoch nicht zum erneuten Lesen reizen. Stattdessen bin ich gleich zu Colins und Penelopes Geschichte gesprungen. Und hier hat sich wieder einmal gezeigt, dass a) Erinnerungen trügen oder sich b) Lesegeschmäcker eben doch sehr verändern können.

Auch „Penelopes pikantes Geheimnis“, bzw. „Wer ist Lady Whistledown?“ habe ich beim ersten Lesen 4 gute Punkte verliehen. Ich habe damals angemerkt, dass Penelope zwar eine starke Figur sei, Colin dagegen jedoch verblasse, war sehr schade wäre und der Figur eigentlich nicht gerecht würde. In der ersten Hälfte empfand ich damals das Buch als lustig und spritzig erzählt, urteilte jedoch, dass es in der zweiten Hälfte sehr abflaue und ich in der Folge auch überhaupt nicht nachvollziehen konnte, „warum Colin so plötzlich (schon auf S. 250!) heiraten will, obwohl er doch so dagegen eingestellt war und immer geflüchtet ist, wenn die Sprache draufkam“. Auch erschien mir damals „das Ende konstruiert und irgendwie nicht ausgereift“.

Auch beim wiederholten Lesen finde ich immer noch, dass Penelope eine „coole Socke“ ist. Ein wundervoller Charakter, der von allen übersehen wird und den niemand (aus uns Lesern) zu schätzen weiß. An sich finde ich es nach wie vor gut gewählt, dass es gerade Colin ist, der das erkennt. Doch anders als einst, würde ich seine Charakterentwicklung heute als sehr gut beschrieben beurteilen.

Doch das vermag mich jedoch nicht darüber hinwegzutrösten, dass Colin im Grunde ein kleiner Junge ist, der nicht erwachsen werden will. Und ich mich schwergetan habe ihn, als Held eines Liebesromans anzuerkennen, wo ich doch einen ganz anderen Typus an Helden bevorzuge. So habe ich mich beim wiederholten Lesen von „Penelopes pikantes Geheimnis“ mit Colin schlicht schwergetan und muss deswegen meine heutige Bewertung von 4 Punkten auf 3 Punkte herabsetzten.

Kurzgefasst: Penelope ist ein wundervoller Charakter und ich hätte es gerne gesehen, wenn ihr ein stärkerer Partner zur Seite gestellt wäre. Bridgerton hin oder her, mit Colin bin ich einfach nicht warm geworden.