Rezensionen

Ankes Bewertung 04 05 Sterne.png

Soweit ich mich recht erinnere, habe ich die „Bridgerton“s mit dem Erscheinen der Mira Ausgabe 2008 das erste Mal ernsthaft rezensiert; gelesen hatte ich die Geschichte bereits vorher, als Cora Ausgabe.
Die ursprüngliche Rezension zu „Wie erobert man einen Duke?“, muss also um diesen Zeitpunkt herum gewesen sein.

In 2020, gerade noch rechtzeitig vor Veröffentlichung der gleichnamigen Netflix-Serie, habe ich das Buch erneut gelesen. Diese überarbeitete Rezension beinhaltet also Auszüge aus meiner damaligen Meinung zum Buch und ist ergänzt durch meine heutige Sicht der Dinge.

Meine damalige Inhaltsangabe habe ich im Großen und Ganzen so beibehalten. Ich habe sie jedoch um die Stellen gekürzt, die ich heute als "spoilern" empfinden würde; obwohl das kaum noch nötig sein wird, angesichts der langjährigen Popularität der Serie.

Daphne Bridgerton und Simon Basset, Duke of Hastings, haben sich in der Not zusammengeschlossen, um ein verliebtes Pärchen und eine Verlobung vorzutäuschen. Sie hoffen damit, im Fall von Simon, die eifrigen Mütter heiratswilliger Töchter abzuschrecken und Daphne damit für heiratswillige Herren interessanter zu machen.

Das Vorhaben scheint auch bestens zu funktionieren, bis Daphnes älterer Bruder Anthony, die Beiden beim heimlichen Stelldichein im Garten erwischt und seinen Freund Simon zum Duell herausfordert.

Simon hat seine eigenen Gründe nicht heiraten zu wollen oder Kinder in die Welt zu setzten, aber auf seinen Freund zu schießen ist für ihn auch keine Option. So sieht sich Daphne gezwungen dazwischen zu gehen und Simon zu überreden sie doch zu ehelichen.

Damit so glaubt sie, habe sie sich zu einem Leben ohne eigene Familie entschlossen, doch ihre Liebe zu Simon ist ihr genug. Sie nimmt an, dass Simon zeugungsunfähig ist. Ein Missverständnis, das Simon nicht aufklärt und zum Problem wird, als Daphne die Wahrheit erkennt.

Heute empfinde ich es, als sehr spannend zu lesen, dass mich damals sowohl der Inhalt, als auch die Gestaltung des Covers, der Mira-Ausgabe, so begeistert hat. Mit Julia Quinn war damals eine ganz neue Generation von Autorinnen ins Liebesroman-Genre eingezogen, mit einem ganz neuen Stil, in dank des Mira Verlages, einer ganz neuen Verpackung. Es ist also kein Wunder, dass ich damals geschrieben hatte, dass „Wie erobert man einen Duke?“ ein, in jeder Hinsicht, großartiges Buch sei. Tatsächlich hat sich die Serie, durch ihre Aufmachung, zu einem Sammlerstück und zum Stolz meines Bücherregals gemausert. Auch wenn ich heute meine Bücher nicht mehr in offenen Bücherregalen präsentiere, so habe ich die Serie als Sammlung doch über die Jahre hinweg erhalten.

Einst habe ich geschrieben, dass dieser 1. Teil der Reihe um die Bridgerton Geschwister, leicht, locker und charmant erzählt sei, viele Stellen mich zum Schmunzeln eingeladen haben, da die Wortwechsel zwischen Daphne und Simon genauso entzückend, wie amüsant seien. Zudem stellten sie ein wunderbares und sympathisches Paar dar. Diese Worte kann ich nach wie vor Unterschreiben.

Auch, an meiner damaligen Aussage, dass mich „nicht nur die Hauptfiguren begeistert haben, sondern Julia Quinns Charaktere bis in die Nebenrollen ein warmherziges und einnehmendes Verhalten offenbaren; wie die gestrenge Lady Danbury, die sich durch eine besonders spitze Zunge auszeichnet oder die scheinbar unbeholfene Penelope Featherington, die unter der Knute ihrer Mutter zu leiden hat.“ hat sich auch beim wiederholten Lesen für mich nicht geändert.

Von da an wird es jedoch ein wenig tricky. Die Aussage: „der Grund warum Simon nicht heiraten und keine Kinder haben will, ist mehr als verständlich und nachvollziehbar erklärt.“ stimmt für mich immer noch. Neu dazu gekommen ist, dass ich heute, das zum Teil erpresserische Verhalten der Figuren nicht mehr so leicht überlesen kann, wie ich es einst getan habe und wie es meine damalige Rezension auszusagen scheint.

Daphne respektiert Simons Wunsch nicht heiraten zu wollen nicht und gibt ihm auch nicht die Zeit, sich selber dazu zu entscheiden. Tatsächlich treibt sie ein gefährliches Spiel, indem sie ihn zu etwas verführt, was auffallen muss. Ich kann es ihr zwar nicht verdenken, doch im Grunde handelt sie egoistisch und rücksichtslos. Sicher Simon spielt mit und gibt seinerseits gern nach, aber er klärt auch seinerseits Missverständnisse nicht auf und doch hinterlässt, die ganze Situation bei mir heute, einen etwas schalen Beigeschmack.

Auch wenn die Autorin am Ende, gerade noch so die Kurve bekommt, so hat Daphne (und auch Simon) damit doch einige Sympathie-Punkte verloren, die ich ihnen vor 12 Jahren noch verliehen hatte. Ist also, „Wie erobert man einen Duke?“, für immer noch der „in vielerlei Hinsicht perfekter Liebesroman“, wie ich es einst geschrieben habe? Ja, und nein.

Auch bei diesem re-reading habe ich die Geschichte, den Erzählstil und seine Figuren genossen. Und Julia Quinn wird immer einen besonderen Platz in meinem Leser-Herzen haben. Doch meine Wahrnehmung von Liebesromanen hat sich ein klein wenig verschoben; was jedoch genau Autorin wie Julia Quinn zu verdanken ist, die sich daran gemacht haben, beim Erzählen von Liebesromanen neue Wege zu beschreiten.

Kurzgefasst: Die Bridgertons haben sich ihren Platz als „must read“ mehr als verdient und der Auftaktband, die Geschichte von Daphne und Simon, macht dem alle Ehre. Faszinierend finde ich, dass so „modern“ dieser Roman auf mich vor 12 Jahren gewirkt hat, er sich für mich heute, beim Lesen als ein wenig „altmodisch“ daherkommt.