Rezensionen

Lenyas Bewertung 05 Sterne.png

Sophie Beckett lebt ein recht unglückliches Leben. Sie ist das uneheliche Kind des Earl of Penwood, der es nach dem Tod ihrer Mutter in sein Haus aufgenommen hat. Er gibt Sophie als sein Mündel aus und ignoriert sie weitgehend, was das Kind sehr traurig macht. Wirklich schwer wird ihr Leben aber, als der Earl heiratet und Sophie eine Stiefmutter und zwei Stiefschwestern bekommt. Die Stiefmutter duldet den Bastard ihres Mannes nur widerwillig und lässt sie das auch deutlich spüren.

Jahre später lebt Sophie als junge Frau im Haus ihrer Stiefmutter. Nach dem Tod ihres Vaters wurde sie zu einem Hausmädchen degradiert und fortan schlechter als eine Bedienstete behandelt. Sophie sehnt sich nach Anerkennung und Liebe, doch sie sieht keinen Weg aus dieser Welt, in der sie immer nur ein Bastard sein wird, und somit von der guten Gesellschaft ausgeschlossen ist.

Eines Abends bietet sich eine unglaubliche Gelegenheit. Im Haus der Bridgertons findet ein Maskenball statt und als die Stiefmutter und ihre Töchter aus dem Haus sind, helfen die anderen Bediensteten Sophie, sich zurecht zu machen und einen Abend in der feinen Gesellschaft zu genießen.
Dort begegnet sie Benedict Bridgerton, der sofort von ihr bezaubert ist. Auch Sophie verliebt sich auf den ersten Blick, auch wenn sie weiß, dass sie nur diesen einen Abend hat.
Als die Uhr Mitternacht schlägt, verlässt sie überstürzt den Ball und hinterlässt Benedict nur einen Handschuh. Doch er nimmt sich vor, die Frau seiner Träume zu finden…

Der ursprüngliche Titel dieses Romans war „Zauber einer Ballnacht“, und er traf den Kern der Geschichte wirklich sehr gut.
Zunächst handelt es sich bei „Wie verführt man einen Lord?“ um eine Aschenputtel-Geschichte. Dabei bedient sich die Autorin sehr stark an den Motiven dieses Märchens, von der bösen Stiefmutter, über die beiden Stiefschwestern, bis hin zu dem gläsernen Pantoffel, der hier ein Handschuh ist. Erst nach den Ereignissen auf dem Ball entwickelt die Geschichte ein Eigenleben und entfaltet sich unabhängig von diesem Märchen. Trotzdem schafft es Julia Quinn, die zauberhafte Stimmung das ganze Buch hindurch aufrecht zu erhalten.

Die Geschichten um die Familie Bridgerton sind immer sehr unterhaltsam. Man schließt die Charaktere ins Herz und freut sich immer, einem Protagonisten aus einem anderen Buch wieder zu begegnen. Vor allem die Bridgerton-Männer sind ein ganz besonderer Menschenschlag, kühn, charmant und sehr ehrenhaft. Auch Benedict bildet hier keine Ausnahme, er ist, wie seine Brüder, ein Held zum anschmachten.
Auch Sophie entwickelt Tiefe und man kann ihre Beweggründe nachvollziehen. Es stört zwar ein bisschen, wie lange sie wartet, bis sie sich Benedict anvertraut, doch ihre damit verbundenen Ängste sind nicht unberechtigt.

Sehr interessant an dieser Liebesgeschichte ist vor allem der gesellschaftliche Aspekt. Sophie gilt als Dienstmädchen, Benedict ist der Sohn eines Viscount. Dieser Aspekt des Aschenputtel-Märchens lässt sich natürlich auch in den Londoner ton übertragen, wo man auf Etikette übermäßig viel Wert legte. Am Ende ist „Wie verführt man einen Lord?“ also eine herausragende Liebesgeschichte, weil die beiden Protagonisten nicht nur ihre eigenen Starrköpfe, sondern auch die gesellschaftlichen Konventionen überwinden müssen, um zusammen sein zu können.
Eine absolut bezaubernde Liebesgeschichte mit starken Charakteren.

Ankes Bewertung 04 Sterne.png

Benedict Bridgerton hat sich auf einem Maskenball in eine maskierte Schöne im silbernen Kleid verliebt; die leider um Punkt Mitternacht verschwunden war, ohne ihm ihren Namen zu nennen. Nur ein Handschuh mit den Initialen ist Benedict geblieben.

Sophia Beckett, das uneheliche und wie es scheint ungeliebte Kind des Earl of Penwood, hat sich aus dem Haushalt ihrer Stiefmutter weggeschlichen, um an einem Ball teilzunehmen. Ansonsten führt sie ein schlimmes Dasein als Zofe und Mädchen für alles und muss der Stiefmutter und ihrer Töchter aus einer vorangegangenen Ehe, stets zu Diensten sein.

Als die Stiefmutter von Benedicts Suche nach der silbernen Dame erfährt, weiß sie, dass Sophie sich aus dem Haus auf einen Ball geschlichen hat und wirft sie sie aus dem Haus. Sophie flieht aufs Land und nimmt dort eine Stelle als Hausmädchen an. Als der Sohn des Hauses sie belästigt, ist wie von Zauberhand Benedict zur Stelle, um sie zu retten.

Er erkennt sie nicht wieder und sie klärt ihn auch nicht über ihr Wiedersehen auf. Jahrelange Reden ihrer Stiefmutter haben ihr vor Augen geführt, dass sie nur ein Bangert ist und der adelige Benedict nichts mit ihr zu tun haben möchte. Benedict, der von Sophia angetan ist, schlägt ihr vor seine Mätresse zu werden. Aber als sie entschieden ablehnt, möchte Benedict Sophia zumindest sicher untergebracht wissen. So arbeitet sie fortan bei seiner Mutter. Das aber wird für Benedict zu einer Qual, begehrt der doch Sophie so sehr.

Mit "Zauber einer Ballnacht" hat die Autorin Julia Quinn eine amüsante, leicht und locker geschriebene Aschenputtel Geschichte abgeliefert.

Auch in diesem Teil kommt der Leser in den Genuss des üblichen amüsanten Bridgertonschen Treibens. Doch leider bleiben bei all dem Trubel beide Hauptfiguren relativ farblos. Obwohl sie nicht unsympathisch sind, so ging mir das Paar "Benedict & Sophie" nicht so nahe, wie andere Heldenpaare der Autorin.

"Zauber einer Ballnacht" ist, nach meiner Meinung, nicht der beste "Brigderton" Teil, doch sollten Fans der Serie nicht auf den Genuss verzichten, ein weiteres Mal in das Leben der Familie einzutauchen.
Quereinsteiger sollten vielleicht zunächst die Vorgängerteile lesen, damit sie diesen so richtig genießen können; obwohl das für das Verständnis des Inhaltes nicht nötig ist.

Amüsant, leicht und locker zu lesen, aber meiner Meinung nach nicht der beste Teil der Serie.