Rezensionen

Ankes Bewertung 03 05 Sterne.png

Miles ist von Geburt an schwerhörig; derweil diese Tatsache für seine Mutter lediglich ein Grund mehr ihm Unterstützung anzubieten, ihm eine sorgfältige Ausbildung angedeihen und ihm zu helfen, das vor der Gesellschaft zu verheimlichen – und zwar gegen den Willen ihres Mannes – würde Miles despotischer Vater seinen Erstgeborenen gerne vergraben auf dem Land sehen, oder wahlweise unter der Erde. Für ihn ist Miles nicht mehr als ein Verrückter, der aus dem Verkehr gezogen werden muss.

So geht für Miles von seinem unberechenbaren Vater stete Gefahr aus. Die Situation wird noch problematischer als Miles überraschend Lady Fredericka heiratet – da, geht es nach seinem Vater, eine Nachfolge vom Blut seines „irren“ und unperfekten Sohnes unbedingt verhindert werden muss.

Mit all dem hat Freddy nicht gerechnet, als sie ihren zurückhaltenden und stillen Jugendfreund um eine Vernunftehe gebeten hat. Als sie auf Miles gesetzt hat, hat sie nur daran gedacht, dass er der geeignete Ehe-Partner sein könnte: einer der ihr ihre Freiheit lässt, damit sie sich auch weiterhin mit ihren Erfindungen zu beschäftigen. Mit Interesse, Zuneigung oder gar Liebe hat sie nicht gerechnet!

„Die Neuerfindung des Viscount“ ist der 2. Teil „Bluestocking Scandals“ von Ellie St. Clair, den ich direkt an seinen Vorgänger angeschlossen gelesen habe und der mich leider nicht so zu fesseln wusste.

Ich vermute, dass es daran liegt, dass Frederickas und Miles Probleme keine solch harmonische Verflechtung haben, wie es in „Pläne für den Herzog“ gegeben war, wo Rebecca mit ihren Plänen für einen Umbau sehr umsichtig auf den verschuldeten Val eingegangen ist. So finde ich die Grundidee der Geschichte zwar toll, Fredericka ist eine Erfinderin, und hat, laut Autorin sogar eine historische Vorlage, hat jedoch nur wenig mit Miles leiden unter seinem grausamen Vater zu tun.

Sicher, Freddy erfindet ein Hörgerät für Miles, womit eine gewisse Verbindung hergestellt ist, doch das wirkt eher wie ein nebensächlicher Einwurf. Auch ihr Charakter ergänzt sich wirklich harmonisch mit dem von Miles, sie stärken und befördern sich gegenseitig. Und doch erschien mir beim Lesen alles ein wenig zu konstruiert, zu wahllos zusammengefügt.

Ich mag die Idee der Autorin, in ihrer Serie auf Frauen zu setzten, die für ihre (ungewöhnliche, zumindest im Kontext einer historischen Erzählung) Berufung kämpfen. Und natürlich mag ich es, obendrauf noch eine Liebesgeschichte erzählt zu bekommen. Im Fall von „Die Neuerfindung des Viscount“ finde ich jedoch, dass es sich eher wie zwei Geschichten anfühlt, eine Liebesgeschichte zwischen einer ungewöhnlichen Frau und einem gequälten Helden und einer Erfinderin, die ein Protektorat für ihre Arbeit sucht.

Kurzgefasst: Eine erfrischend ungewöhnliche Serienidee, deren Geschichten sich, wie in diesem Fall, mitunter ein wenig zu konstruiert lesen.