Rezensionen

Ankes Bewertung 03 05 Sterne.png

Manche Bücher lassen sich ganz leicht bewerten, einige andere jedoch, zu denen auch "Entführt" gehört, machen es mir unheimlich schwer eine Einschätzung abzugeben. Letztendlich habe ich mich für "mittelmäßig, hat aber auch nette Momente" (also 3,5 von 5 Punkte) entschieden.

Auch wenn im Folgenden die kritischen Punkte eher überwiegen, so sollten doch Leser, die gerne von wirklich harten "Alpha"-Jungs und "tortured heros" lesen, dem Buch auf jeden Fall eine Chance geben. Vielleicht trifft es genau euren Geschmack und es wäre schade, wenn ihr euch hättet abschrecken lassen, vor allem da die Story an sich recht spannend ist und die Autorin den Schauplätzen die richtige Atmosphäre zu verleihen weiß.

Für mich persönlich war besagter harter Junge, Alpha und tortured Held einfach zu viel des Guten und mit der Zeit einfach nur noch ermüdend zu lesen. Insbesondere weil ich mich unweigerlich fragen musset, ob solch aggressive Persönlichkeiten überhaupt eine Chance hätten einer Eliteeinheit beizutreten - bestandenes BUD/s Training hin oder her?
Soviel zum Helden; die Heldin dagegen, obwohl ein enormer Dickkopf und sich ständig in Gefahr bringend, ist förmlich verblasst neben dem aggressiven und z.T. recht unverschämten Helden. Das sich Isabelle in Jake verliebt hat, konnte ich eigentlich nur einer Art Retter-Syndrom zuschreiben, warum sollte sie sich sonst mit diesem sturen und einsilbigen Ochsen abgeben?

Zu den Protagonisten, mit denen ich wenig anfangen konnte, kommt noch ein Schreibstil, der mehr als verwirrend war. Eine sprunghafte Erzählweise, die die unterschiedlichsten Themen beleuchtet und dazu von Protagonist zu Protagonist springt, ohne dass dies die Geschichte voran treibt, hat es mir nicht leicht gemacht im Lesefluss zu bleiben. Dazu gibt die Autorin zwar viele Andeutungen ab, lässt darauf jedoch leider kaum Erklärungen folgen. Als Leser war ich so immer wieder auf meine Fantasie und meine Vermutungen angewiesen, um Logiklücken im Ablauf der Geschichte sinnvoll zu ergänzen und ein stimmiges Ganzes zu schaffen.

Meine Empfehlung: Ausprobieren! Wer weiß vielleicht verfallt ihr doch dem rauen Charme des Helden oder lasst euch von der spannenden Geschichte mitreißen?

Mallorys Bewertung 03 Sterne.png

Nun, Cherry Adairs Kommentar zu diesem Roman ist "Romantic Thrill vom Feinsten!" Vielleicht ist ja das der Grund, warum mir ihre Bücher auch nicht so viel geben?
Tatsache ist, dieses Buch hat mich schrecklich enttäuscht!

Ich hatte spannende, actionreiche Handlung und ein leidenschaftliches Liebespaar erwartet. Doch selbst wenn in der ersten Hälfte des Buches von intensiven Gefühlen die Rede ist, dann kam diese Intensität dennoch nicht bei mir an. Außerdem hatte ich immer das Gefühl, irgendetwas verpasst zu haben. Das Buch ist recht dialoglastig, doch wenn dann wirklich mal was Wichtiges im Dialog erwähnt werden musste, fühlte ich mich, wie wenn jemand den Ton am Film abgedreht hätte und ich müsste die Handlung lediglich aufgrund der Gesichtsausdrücke der handelnden Personen erraten.

Es fehlt einfach etwas! Bsp.: Isabelle ist Ärztin und begibt sich bei einem Unfall, zu dem sie mit Jake gerufen wird, in Gefahr, in dem sie in den absturzgefährdeten Bus steigt. Jake steigt ebenfalls ein, entdeckt sie ganz hinten bei einem eingeklemmten Soldaten, schaut sie nur böse an und sagt ihr sie solle jetzt langsam aus dem Bus steigen. Und plötzlich wird ihr klar, dass sie in Gefahr ist! Normal wäre doch eher, dass er sie anschnauzen würde, ob sie noch normal wäre, weil sie sowas macht. Aber nein, genau in so einer Situation wird der Dialog stark beschnitten.
Jake scheint wie ein übersinnlicher Psychiater immer genau zu wissen was Isabelle gerade fühlt und was er zu ihr sagen muss.

Auch lässt die Autorin die Leserin ewig über alles Mögliche im Unklaren. Isabelle wurde von ihrem Bodyguard verraten. Doch mir war lange nicht klar, ob er es denn nun auch war, der sie entführt hat.
Genauso hat es, wie im Liebesromanforum schon erwähnt, anfangs immer wieder unlogische Stellen im Buch gegeben. Bsp. S. 55/56:

"Hey, wir fangen nicht damit an", protestierte Chris. Zumindest das stimmte. Es gab Typen, die wussten, dass sie SEALs waren, und wollten nur deshalb Streit mit ihren anfangen. Manchmal ging es auch um die Freundinnen anderer Männer, die die drei Brüder etwas zu lange anschauten. Aber hey, dafür konnten sie ja auch nichts.
Kenny verdrehte die Augen. Sein Blick ruhte etwas zu lange auf Jake. Er öffnete den Mund, als wolle er etwas sagen, aber die Band begann zu spielen, und das lenkte ihn ab.

Seitenwechsel

Eins zu null für Jake, aber er würde an dieser Bemerkung länger zu kauen haben als Nick. Jake war definitiv angespannt, aber er schien heute keine Lust auf ein schnelles Abenteuer zu haben, was nur bedeuten konnte, dass er in Schwierigkeiten steckte.

Soweit dieses. Nun habe ich keinerlei Zusammenhang gefunden zwischen Seitenende 55 und Seitenanfang 56! Welche Bemerkung ist gemeint? Jake hat doch gar keine gemacht. Worauf bezieht sich dann das erwähnte „Eins zu null“? Ich habe dann erst einmal zurückgeblättert; weil ich dachte ich hätte eine Seite übersprungen, aber nein.
Genauso wirkt der Schreibstil manchmal mehr als unbeholfen.

Bsp.: Jeannie drückte eine Hand gegen ihre Kehle. Isabelle wusste, sie konnte es ihrer Mutter unmöglich erklären. Sie würde es nicht verstehen...Aber im Grunde war das für sie okay.

Isabelle will ihrer Mutter ihre Gefühle nicht erklären müssen, aber das hätte man doch wirklich etwas besser ausdrücken können.

Erst ab Seite 240 erfährt das Buch für mich eine deutliche Wende. Die Sätze werden plötzlich weniger verwirrend, die Personen sprechen plötzlich in klaren Worten davon was ihnen passiert ist und durch wen (zumindest meistens) und die Gefühle werden endlich glaubwürdig rübergebracht. Hat sich die Autorin bis dahin erst warm schreiben müssen?

Bis kurz vor Schluss ist das Buch dann sehr fesselnd und ich wurde auch mit den Personen warm.
Doch dann hat mich die Autorin abermals enttäuscht: Ein Mann wird gefangen genommen, vom Bösewicht verdrahtet und mit einem Zünder versehen. Es gibt nur einen Weg in das Gebäude und Jake hat nur noch knapp 5 Minuten um den Mann zu befreien! Die klassische Spannungssituation, die in Filmen dafür sorgt, dass man an den Fingernägeln knabbert,weil die Zeit abläuft. Ich hatte wirklich erwartet nun zu lesen wie der Mann befreit wird, aber nein! Plötzlich ist er befreit, beide stehen hinter der hysterischen Isabelle, die unbedingt zurück
will um bei der Befreiung zu helfen!?
Auch anschließend folgt keine Erklärung mehr wie der Mann frei kam.

Fazit: Eine verschenkte SEAL-Story aus der man wesentlich mehr hätte machen können.

Die Spannung wird zu Gunsten des Liebespaares, das zu viel redet und therapiert, extrem zurückgeschraubt und die Nebenstory, die in Afrika spielt und vermutlich in den nächsten Büchern weitergeführt werden soll, war für mich auch unnötig.

Ich bin noch sehr unentschlossen, ob ich das nächste Buch, "Entlarvt", wirklich kaufen soll, denn eigentlich ist der Held Nick eine interessante Persönlichkeit mit einer interessanteren Vergangenheit und auch die Leseprobe zeigt, dass sich die Autorin bis dahin tatsächlich warm geschrieben hat.
Aber wenn ich dann wieder eine SEAL-Story erwarte und mich dann um Action und Spannung betrogen sehe, dann würde mich das schon ärgern.

Kurz gefasst: Vielleicht wird Stephanie Tyler im nächsten Roman plötzlich deutlich besser aber eine Suz Brockmann ist sie definitiv noch lange nicht! Daher vergebe ich nur enttäuschte 3 Punkte.