Rezensionen

Ankes Bewertung 04 Sterne.png

Erst am Totenbett seines verhassten Vaters erfährt Daniel Irvine, nun der neue Duke of Stratton, dass er an das Versprechen gebunden ist Miss Berengaria Evangeline Winchcomb zu heiraten.

So sind es die Spielschulden seines Vaters, die Daniel nun an die verhuschte Eva binden. Und er ist alles andere als glücklich über die graue Maus, die er da ohne Umstände aufs Land verfrachtet, nur um sich danach wieder seinem Leben in London zu widmen.

Nur dass ihn jedermann fortan auf seine unbekannte und wenig standesgemäße Ehefrau anspricht und es heftig darüber spekuliert wird, was es mit ihrer Verbannung aufs Land auf sich hat. Zudem erreichen ihn beunruhigende Nachrichten aus Stratton, dass seine Frau handgreiflich von Lord Huxley belästigt wurde. Ob er es wollte oder nicht, aber Eva ist nun seine Duchess und es ist seine Pflicht sie zu beschützen.

Eva fühlt sich keineswegs aufs Land verbannt, sondern zum ersten Mal in ihrem Leben sicher. Außer der Sorge um ihren kleinen Bruder, der wie sie ebenfalls unter ihrem Vater und ihren beiden älteren Halbbrüdern zu leiden hat, fühlt sie sich entspannt und sicher. Nur die Gegenwart ihres Mannes ist ihr alles andere als angenehm. Aber zum Glück ist der wieder nach London gereist. Ein Ort und einen Mann, zu denen es Eva auf keinen Fall hinzieht, oder?

Dieser 1. Teil der „Regency Rakes“-Serie, „Duchess by Chance“, hat eine eigentlich eine komfortable Länge von etwas über 300 Seiten und liest sich über 2/3 der Geschichte hinaus auch einfach wunderbar. Daniel entwickelt ein Gewissen und Mitgefühl, Eva so abweisend behandelt zu haben und alleine auf dem Land zurückgelassen zu haben und Eva blüht auf zum ersten Mal in ihrem Leben auf, dank der Sicherheit, die ihr Stratton gibt.

Soweit entwickelt sich die Geschichte geradlinig und nachvollziehbar. Selbst Als Daniel Eva zwingt (was nur bedingt einfühlsam fand) nach London zu gehen und sich der Gesellschaft zu stellen, triebt das die Entwicklung der Geschichte und ihrer Charaktere positiv voran.

Doch dann begeht die Autorin oder in diesem Fall Clara den Kardinalfehler schlechthin: sie vertraut sich ihrem Ehemann nicht an (obwohl sie bis zu diesem Zeitpunkt eigentlich gelernt haben müsste, dass er vertrauenswürdig ist). Dass sie glaubt, ihn beschützen zu müssen ist zwar irgendwie süß und ja, aufgrund ihrer Geschichte sogar nachvollziehbar, trotzdem finde diese Art von offensichtlichem naivem Verhalten einfach nervig - und damit alles was dem folgen muss.

Somit hätte ich gut auf die letzten 100 Seiten verzichten können, denn die Autorin spielt zu diesem Zeitpunkt das Thema voll aus. Schade, denn hätte sich Eva Daniel anvertraut, hätte die Geschichten trotzdem ihren Höhepunkt beibehalten können, sich dabei jedoch die Heimlichkeiten und das Misstrauen ersparen, finde ich. Doch die Autorin wählt einen, man kann ihn „klassisch“ nennen, Weg die Situation zu lösen, wie ich ihn vor allem aus Liebesromanen vor 10 Jahren (und früher) kenne und der, insbesondere für meinen heutigen Lesegeschmack, ein wenig zu angestaubt und nicht mehr zeitgemäß wirkt.

Kurz gefasst: ich hätte mir eine etwas andere Lösung des Konflikts der Geschichte gewünscht, so empfand ich es das Buch zweigeteilt: ein starker Anfang und ein eher schwächelndes Ende.