Rezensionen

Ankes Bewertung 05 Sterne.png

Nachdem die vermisse und totgeglaubte 1. Ehefrau von Lord Wentford gefunden wurde und damit die große Liebe zurückgekehrt ist, muss Eugenie Caswell, die als 2. Ehefrau ins Haus Wentford eingezogen ist weichen.
Da ihr erster Ehemann zwar keine Liebe für sie empfunden hat, sich jedoch um sie und ihr ungeborenes Kind sorgt, arrangiert Lord Wentford eine Ehe für Eugenie mit seinem besten Freund: Adrian Brooks, Earl of Remsemere – dem „Beast of Ravengrove“.

Eugenie, die zunächst Angst vor ihrer neuen Zukunft hat, lernt jedoch schnell erkennen, dass sich hinter dem Beast, ein freundlicher und sensibler, aber zutiefst gequälter Mann verbirgt, der ihr Herz auf eine Art anspricht, wie es ihr erster Ehemann nie getan hat.

Ich war zugegebenen Maßen recht skeptisch als ich diesen 2. Teil von Bree Wolfs „Happy Ever Regency“-Serie angefangen habe. Zwar hat mich das Schicksal von Eugenie, die ich ja bereits im 1. Band kennenlernen durfte, sehr interessiert, doch hat mir die Plot-Entwicklung in „How to wake a sleeping Lady“ schon so manches zu denken gegeben und ich war mir nicht sicher, ob dieser Teil damit überhaupt eine Chance haben kann.
Schwanger sitzen gelassen zu werden, von einem Mann, der als Held eines Liebesromans bestimmt ist, fand ich an sich schon äußerst problematisch (für die Geschichte des Helden aka den 1. Teil der Serie), doch irgendwie hat es die Autorin trotzdem geschafft, mir seine Geschichte zu verkaufen. Aber was ist mit der Sitzengelassenen? Wie will die Autorin nun ihre Geschichte hindrehen und welche Art Held hat sie für sie etabliert?

Hinzu kamen meine Bedenken, bzgl. der Tendenz der Autorin Gedankengänge immerzu zu wiederholen und dieselben Probleme noch und nöcher zu wälzen. Sprich der 1. Teil hätte für meinen Lesegeschmack ruhig 100 Seiten weniger haben können. Erfreulicherweise hatte sich dieser Eindruck beim Lesen von „How to tame a beastly Lord“ für mich nicht bestätigt. Zwar ist auch dieser Teil ein 2-Personen-Stück, doch tragen die Schicksale von Adrian und Eugenie die Geschichte deutlich länger, als die es die von Grant und Agnes (aus „How to wake a sleeping Lady“) für mich getan haben. Und der Roman ist, trotz seiner Dramatik und Düsterheit, amüsanter zu lesen als sein Vorgänger, was vor allem dem Auftritt von Eugenies Freundin Miss Rebecca Hawkins zu verdanken ist.

Womit eine höchst spannende Eigenheit der Serie ins Spiel kommt, deren Dynamik mir erst beim Lesen diesen 2. Teiles aufgefallen ist: die einzelnen Teile der Serie, habe nicht nur ein Märchenthema als grundsätzliche Vorlage, sondern sind zudem auf originelle Weise miteinander verzahnt. Diese Verzahnung erscheint als einigen Perspektiven zwar bemüht und willkürlich aus, die der Besuch von Rebecca, der beim Lesen dieses Teils irgendwie einen Fremdkörper darstellt, jedoch vollkommen Sinn ergibt, liest man den 3. Teil der Reihe.

Diese Entwicklung hat mir ganz neue und spannende Einblicke in die Serie gewährt und vermutlich das ihre dazu beigetragen, dass ich mich beim Lesen mehr und mehr unterhalten fühlte. Zudem hat es die Autorin einfach drauf mir Adrian und Eugenie in „How to tame a beastly Lord“ ans Herz zu legen, mir ihre Schicksale und Entscheidungen nachvollziehbar nahezubringen und letztendlich der herzzerreißenden und so romantischen Liebesgeschichte zu verfallen; wobei es schon irgendwie amüsant ist, dass sie am Ende aus den Haushalten Wentford und Remsemere eine glückliche Patchwork-Familie macht, die für mein Verständnis äußerst modern wirkt. Doch weil es sich herbei eben um ein Märchen handelt, kann die Autorin auch mit derartigen Freiheiten durchkommen, finde ich.

Kurz gefasst: ein gequälter Held, eine bezaubernde Heldin und eine dramatisch romantische Liebesgeschichte – zudem ein 2. Teil, der der Serie eine höchst reizvolle Dynamik hinzufügt.